Fisches Stadtgesang

Gedankencrushs

Auf einer zu kleinen Parkbank weinte ein Mann. Seine Haare hingen vor dem Gesicht und die Brille war übergelaufen.
Aus der Brille tropften die Tränen auf den Boden zu seinen Füßen und weichten die Erde auf bis sie sich wellte. Sie warf Wellen, bog sich, sammelte das Wasser zu einem See.
Die Parkbank löste sich aus dem Nass und trieb auf der Oberfläche.

Immer noch weinte der Mann, ohne zu merken, was er anrichtete. Oder er merkte es, konnte aber nicht aufhören.
Er weinte also weiter und die Straßen der grauen Stadt liefen zu, die Wohnungen ertranken und die Häuser würgten das Wasser hinunter.

Als der Mann an den Hochhäusern vorbei trieb, stoppte er plötzlich. Er nahm seine Brille ab, putze sie und besah sich die Dächer und Fernsehantennen. Wie Schilf ragten die Gebäude aus dem Blau. Unnatürlich, aber er lächelte. Das neue Gesicht der Stadt, die er viel zu gut kannte, gefiel ihm. So viel stiller.
Er war allein, niemand sonst trieb  zwischen den Schilfhäusern. Das sah er und rutschte von der Bank. Es blubberte kurz. Dann war die Stadt komplett ruhig.

Unten, am Meeresboden der Stadt, schwamm ein grüner Fisch, beglotze die Menschen, die so taten, als sei das Wasser Luft und öffnete stumm das Maul.
Es blieb still.
Nur oben platzen zwei Luftblasen neben der Parkbank.

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Ein Gedanke zu “Fisches Stadtgesang

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