Nathalie küsst

Letzte Woche habe ich zum Einschlafen „Nathalie küsst“ ( von David Foenkino) als Einschlaflektüre gelesen und war und bin immer noch so begeistert von dem Buch, dem Konzept und der Sprache (trotz Übersetzung), dass eine Rezension her muss;

Nathalie ist jung, hübsch und recht gewöhnlich: Und dennoch nimmt sich François ein Herz, als er sie auf eines Tages auf der Straße sieht und lädt sie auf einen Kaffee (in ihrem Fall: Aprikosensaft) ein. Ohne sie zu kennen.
Aus dieser ungewöhnlichen Begegnung entwickelt sich eine Beziehung, die 7 Jahre hält. Ein Traumpaar schlechthin. Doch dann wacht Nathalie eines Sonntags am Nachmittag auf, das Telefon klingelt; François ist vors Auto gelaufen und stirbt nach einigen Tagen.

Nathalie vergräbt sich daraufhin in ihrer Wohnung und auch wenn sie die andauernden Besuche ihres Chefs sie zuerst stutzig machen, merkt sie schnell, was er tatsächlich will. Sie natürlich.
Nathalie  lässt ihn abblitzen, auch als er sie zur Abteilungsleiterin befördert und stürzt sich in ihre Arbeit. Irgendwann, an einem langweiligen Tag, taucht der junge Schwede Markus in ihrem Büro auf, um Akte 114 zu besprechen und sie geht auf ihn zu und küsst ihn. Wieso, weiß sie selber nicht. Und es bedeutet ihr auch nichts.

Aber für Markus bedeutet das so gut wie alles. Er ist auf einen Schlag unfassbar verliebt in seine Chefin und nachdem er sie mit Tränen zu einem Date überredet hat, scheint es so, als hätte die beiden wirklich eine Zukunft.

Allerdings kommt dann das Getuschel der Abteilung, die Eifersüchteleien des Chefs, der sich mit Markus trifft und beschließt ihm alles nachzumachen, um Nathalie endlich zu gefallen, was allerdings schon bei der Essenswahl scheitert: Markus bestellt Fisch, der ist Chef ist dagegen allergisch und daraufhin beschließt er, das Ganze anders anzugehen;

Er feuert Markus.

Dieser gibt ihm eine Ohrfeige und reist Nathalie hinterher, die vor einem Tag bereits verschwunden ist, sie treffen sich und reisen gemeinsam zu Nathalies Oma, die die beiden mit offenen Armen empfängt.
Dort, nach ihrer ersten gemeinsamen Nacht, endet das Buch auf der Holzbank, auf der Nathalie früher schon immer gesessen hatte.

Das Besondere ist nicht der Plot, sondern das Konzept. Beinahe jedes zweite Kapitel enthält nur ein Gedicht, oder Fußballergebnisse oder die Tagessuppe, die Nathalie zu dem Zeitpunkt ihres ersten Dates bestellt hat. Ganz alltägliche Sachen also, die im ersten Moment so gar nicht zu der Geschichte passen wollen. Oder die Fußnoten, die manchmal wie aus dem Nichts auftauchen. Und hier MUSS ich zitieren:

„Gleich bei der ersten Begegnung hatte (Markus) das Gefühl, dass das Mädchen ganz auf seiner Wellenlänge lag. Es hieß Alice* und arbeitete in einer Apotheke **, wo sie gelegentlich auch Kosmetikworkshops veranstaltete***.

*Das ist komisch. Normalerweise trifft man Mädchen, die Alice heißen, nicht bei solchen Paarvermittlungsveranstaltungen.
** Das ist komisch: Normalerweise arbeiten Mädchen, die Alice heißen, nicht in Apotheken. Alices arbeiten im Allgemeinen eher in Buchläden oder Reisebüros.
*** An diesem Punkt müssen wir uns fragen: Hieß sie wirklich Alice?“

Der Roman wirkt so alltäglich, so normal, dass man ihm alles abkauft. Die Liebesbeziehung zwischen zwei so gewöhnlichen Menschen (anfangs findet sie ihn ausgesprochen abstoßend. ganz einfach aufgrund seiner Kleidungswahl) trägt eigentlich das Buch. Und, dass es so wunderbar lustig und ein klein wenig abstrus wirkt. Wie kam der Autor auf die Idee, Nathalie einfach so ihren Angestellten küssen zu lassen?

Also (wieder mal) ein absolut lesenswerte Buch, vielleicht nicht die perfekte Einschlaflektüre, denn man muss es einfach durchlesen, aber so, zum Kaffee oder nach dem Mittagessen, ist es mehr als nur gut.

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  1. Alles klar, dann auf zum nächsten Cafe – in meinem Fall … bin „ich dann mal weg“ … für 2, 3, 4 Tage … ????? … ;-)))) Deine Rezension liest sich aber appetitanregend!

    Good night!
    mac

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