Lichter der Katze

Gedankencrushs

Blitzende Lichter, wummernde Beats, tanzende Lichter.
Die Menschen schlängeln sich zur Decke, strecken die Hände in die Luft, um sich wie Rauch in der Luft zu verlieren. Es ist dunkel, Lichtpunkte in Rottönen tanzen über die Masse. Stimmen, Musik, Gelächter.
Und inmitten der Menschen sitzt ein Katze mit orangen Flecken, sitzt da in der Mitte und leckt sich die Pfote. Mit grünen Augen blickt sie dich aus den Augenwinkeln an, die Augen zu Schlitzen verengt.
Sie erinnert dich an deine Mutter. Vielleicht wegen dem Blick, diesem leicht vorwurfsvollen. Vielleicht auch wegen dieser Halbmondbrille, die auf ihrer rosa Schnauze sitzt.
Die Katze beobachtet dich und du fühlst dich beobachtet und versuchst sie zu ignorieren.
Wodka bestellst du, den sechsten an diesem Abend. Wahrscheinlich kommt daher das Katzenvieh – von dem vielen Alkohol.
Da sitzt sie plötzlich neben dir die Katze, blickt dich schon wieder an. Und ist viel zu groß. Sie sitzt da gemütlich auf dem Barhocker, dem roten, und trinkt deinen Wodka wie Milch, mit der kleinen pelzigen Zünden, ein Tröpfchen nach dem anderen.
Und die ganze Zeit durchbohrt sie dich mit diesem Blick, mit dem grünen, vorwurfsvollen Blick unter dem du schrumpfst und zum kleinen Kätzchen wirst, das ängstlich maunzt und seine Milch zurück will.
Sie streicht dir über die Ohren, miaut und nimmt dich in den Mund, trägt dich weg. Weg von den vielen Menschen, weg von dem Licht.
Und am nächsten morgen wachst du dann auf und weißt nicht mehr, wie du nach Hause gekommen bist. Nur deine Mutter lächelt dir beim Frühstück zu. Was weiß sie?

Nächte sind was für Idioten

Kurzgeschichte

„Nächte sind was für Idioten“, atmet sie mit dem Rauch aus. „Nur Idioten glauben, dass Nächte romantisch sind.“ Molle blickt den weißen Zigarettenkringeln hinterher.
„Die Nacht ist so romantisch wie ein leeres Cocktailglas mit geschmolzenen Eiswürfeln. Deprimierend. Sieh dich mal um.“ Sie versucht einen Rauchkringel. Ob sie auch andere Formen kann? Herzen? Quadrate? Oder Spiralen?
Sie betrachtet die Blondine, deren Lachen wie ein Gummiball durch das Zimmer hüpft und ihren Freund. Im Garten kotzt einer die Kinderrutsche voll und die Musik ist zu laut.
„All das Gerede über tausend Türen, die sich nur in der dunkelsten Finsternis öffnen. Selbst wenn das so wäre; Die fallen dann bei Tag auch wieder zu. ’Zeit der Liebenden.’“ Sie schnaubt und kurz raucht sie aus der Nase.
„Niemand verliebt sich betrunken und bei totaler Finsternis. Außer sein Gehirn liegt noch in der Bar.“
Sie schüttelt ihre Locken und ascht in ein Glas auf dem Couchtisch… war das nicht seins?
„Weißt du… Molle, richtig? Das einzig schöne an der Nacht ist, dass sie inspiriert. Die Menschen sind echter. Die Unechten verschwinden im Bett oder den Peep-Shows und übrig sind die Dummen wie dieser Hundetyp da drüben… und die Interessanten.“ Sie schweigt kurz und blinzelt gegen das Licht der Lampe an. „Zumindest versuche ich mir das einzureden.“
Sie lacht auf, humorlos und trocken. Molle lacht nicht mit. Ist das jetzt sein Glas, das sie als Aschenbecher missbraucht? Hatte er das nicht unter das Sofa geschoben?
„Nächte sind was für Idioten. Genauso wie Liebesbriefe…“ Sie blickt ihn an. „Hast du mal einen bekommen, Mark?“
Er heißt nicht Mark, reagiert aber trotzdem mit einem Kopfschütteln.
„Ich auch nicht.“ Sie grinst. „Wohl besser so. Wodka ist übrigens auch nur was für Idioten.“ Sie macht eine vage Handbewegung in Richtung ihres neuen Aschenbechers. „Sei froh, dass ich dich davor gerettet habe. Ist besser so. Man sieht sich… James, richtig?“
Sie steht auf, drückt den Zigarettenstummel in Molles Glas und schwankt kurz. Molle blickt ihr hinterher. Sie wirkt wie ein Rauchkringel. Abgesehen von den Locken, denkt er und blickt in sein Glas. Wie ein Rauchkringel.
Er braucht dringend etwas zu trinken.

 

Das hier war in kurzer Auszug aus der „Molle“-Geschichte (wie sie bis jetzt noch heißt), an der ich zur Zeit arbeite. Molle rekonstruiert seinen vergangen Abend. Wie es weitergeht, werdet ihr sicher bald lesen können. So viel soll gesagt sein; Es wird leicht surreal werden…

Zudem habe ich heut noch ein grandiose Idee gehabt (natürlich grandios… was sonst?). Sollte sie tatsächlich realisierbar sein, werdet ihr im Dezember viel zu lesen bekommen. Sehr viel.

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Gedicht für Mio und die Glühwürmchen

Gedicht

Mio, die Glühwürmchen verschwinden.
Sie verschwinden, ohne dass man es bemerkt und dann sind sie eines Tages weg, einfach weg.
Ein paar wenige schweben noch über dem nassen Sandkasten.
Ansonsten ist es trostlos. So ohne dich.
Und ich fühle mich einsam und allein. die Schaukel quietscht und irgendwo bellt ein Hund.
Ich wüsste gerne, wie es passiert ist.
Bist du einfach so aufgewacht und aus der Wohnung gegangen? Hast deine Jacke von unserem Sofa genommen, dem weiß roten, und hast beschlossen zu verschwinden?
Aber so geht das doch nicht Mio, so was macht man nicht. So ohne Abschied.

Mio, vielleicht bist du mit den Glühwürmchen verschwunden. Vielleicht saßt du auf der quietschenden Schaukel, dieser einen blauen, der mit der abblätternden Farbe, und hast ihnen Gedichte vorgelesen. Statt zu schlafen. Gutenachtgedichte vielleicht.
Mit deiner ruhigen kratzigen Stimme. Wie dein Bart hat die sich in meinen Ohren immer angefühlt.
Du hast ihnen ein Gedicht vorgetragen. Um Liebe ging es und darüber, dass du sie nie verstanden hast.
Und als du beim letzten Fragezeichen aufgeblickt hast, so wie man es bei einer Lesung tut, so wie du es immer gemacht hast, da blinzelte dir eines der Lichter zu.
Du vergaßt dann alles, einfach alles. Außer vielleicht dem letzten Fragezeichen.
Dann warst du weg.

Und jetzt muss ich schreiben.
Damit die Glühwürmchen wieder kommen. So wie früher.
Damit sie wieder zuhören.
Und vielleicht bringen sie dich ja mit.
Ach Mio, mein Mio, die Glühwürmchen verschwinden. Trotzdem.