Nächte sind was für Idioten

Kurzgeschichte

„Nächte sind was für Idioten“, atmet sie mit dem Rauch aus. „Nur Idioten glauben, dass Nächte romantisch sind.“ Molle blickt den weißen Zigarettenkringeln hinterher.
„Die Nacht ist so romantisch wie ein leeres Cocktailglas mit geschmolzenen Eiswürfeln. Deprimierend. Sieh dich mal um.“ Sie versucht einen Rauchkringel. Ob sie auch andere Formen kann? Herzen? Quadrate? Oder Spiralen?
Sie betrachtet die Blondine, deren Lachen wie ein Gummiball durch das Zimmer hüpft und ihren Freund. Im Garten kotzt einer die Kinderrutsche voll und die Musik ist zu laut.
„All das Gerede über tausend Türen, die sich nur in der dunkelsten Finsternis öffnen. Selbst wenn das so wäre; Die fallen dann bei Tag auch wieder zu. ’Zeit der Liebenden.’“ Sie schnaubt und kurz raucht sie aus der Nase.
„Niemand verliebt sich betrunken und bei totaler Finsternis. Außer sein Gehirn liegt noch in der Bar.“
Sie schüttelt ihre Locken und ascht in ein Glas auf dem Couchtisch… war das nicht seins?
„Weißt du… Molle, richtig? Das einzig schöne an der Nacht ist, dass sie inspiriert. Die Menschen sind echter. Die Unechten verschwinden im Bett oder den Peep-Shows und übrig sind die Dummen wie dieser Hundetyp da drüben… und die Interessanten.“ Sie schweigt kurz und blinzelt gegen das Licht der Lampe an. „Zumindest versuche ich mir das einzureden.“
Sie lacht auf, humorlos und trocken. Molle lacht nicht mit. Ist das jetzt sein Glas, das sie als Aschenbecher missbraucht? Hatte er das nicht unter das Sofa geschoben?
„Nächte sind was für Idioten. Genauso wie Liebesbriefe…“ Sie blickt ihn an. „Hast du mal einen bekommen, Mark?“
Er heißt nicht Mark, reagiert aber trotzdem mit einem Kopfschütteln.
„Ich auch nicht.“ Sie grinst. „Wohl besser so. Wodka ist übrigens auch nur was für Idioten.“ Sie macht eine vage Handbewegung in Richtung ihres neuen Aschenbechers. „Sei froh, dass ich dich davor gerettet habe. Ist besser so. Man sieht sich… James, richtig?“
Sie steht auf, drückt den Zigarettenstummel in Molles Glas und schwankt kurz. Molle blickt ihr hinterher. Sie wirkt wie ein Rauchkringel. Abgesehen von den Locken, denkt er und blickt in sein Glas. Wie ein Rauchkringel.
Er braucht dringend etwas zu trinken.

 

Das hier war in kurzer Auszug aus der „Molle“-Geschichte (wie sie bis jetzt noch heißt), an der ich zur Zeit arbeite. Molle rekonstruiert seinen vergangen Abend. Wie es weitergeht, werdet ihr sicher bald lesen können. So viel soll gesagt sein; Es wird leicht surreal werden…

Zudem habe ich heut noch ein grandiose Idee gehabt (natürlich grandios… was sonst?). Sollte sie tatsächlich realisierbar sein, werdet ihr im Dezember viel zu lesen bekommen. Sehr viel.

Weiter zu Teil 2

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