23.Türchen: Traum

So kurz vor Weihnachten noch ein letztes kurzes Gedicht. Einen wunderschönen 4. Advent, ihr Lieben... wo bleibt bloß der Schnee?   Emmy Hennings (1922) Traum Ich bin so vielfach in den Nächten. Ich steige aus den dunklen Schächten. Wie bunt entfaltet sich mein Anderssein So selbstverloren in dem Grunde, Nachtwache ich, bin Traumesrunde Und Wunder …

22.Türchen: Lila Fieber

Die Lippe blättert ab, die Hände fangen an zu tropfen. Der Boden wird zu einer Pfütze aus Farbe, einem Fluss, einem Meer, schwemmt mich weg. Mich mit den tropfenden Händen. Ich schwimme oben, blicke in den Himmel, der kein Himmel mehr ist, sondern nur eine Kuppel voll von Worten. Sie stehen da im Nichts, klingen, …

21.Türchen: Einsamer Kaffee

Sein Gesicht ist erstarrt. Inmitten der wabernden Leere steht er mit deser Fratze, diesem enstellten Ausdruck von unfreiwilliger Attraktion des übelsten Ausmaßes. Er steht da und glotzt. Er starrt über die Straße, über die Dächer der Autos, in das helle Fenster zu dem jungen Mann mit dem grünen Pullover. Zu ihm mit den blonden Wimpern, …

19.Türchen: Schwarze Winterflecken

Ein schwarzer Vogel fliegt quer durchs Zimmer. Von unten links nach oben oben rechts zum bleiernden Jesus. Er fliegt, blinzelt, nickt kurz und verschwindet in der starren Winterluft.Der rotgesichtige Mann vor uns am Pult redet und redet. Von Nichtigkeiten, vom Unnötigen und Unwichtigen. Und der Vogel fliegt immer noch - bestimmt tut er das - …

18.Türchen: Korruption der Natur

Ann Cotton (2008) Korruption der Natur Kaulquappe, peitsch mich, komm, das kannst du wenn du dich ein bisschen zusammenreißt, kannst du das sehr schön. Es liegt in deiner Natur. Ich liege doch da, weiß, im gefriernahen Alpenwasser, nackt, zitternd, geheime Gänsehaut, komm, mach es einfach, schlag zu. Mir ist egal, ob du später Mönch wirst …

17.Türchen: Idiot auf Kacheln (Molle Teil 2)

Heute (endlich!!!) die Fortsezung von "Nächte sind was für Idioten", der Molle-Kurzgeschichte. Freuet euch!Das Zigarettenmädchen hatte Recht. Wodka ist was für Idioten und eigentlich ist Molle kein Idiot. Aber als er über der Kloschüssel hängt, fühlt er sich extrem idiotisch. Das Bad ist zu weiß, beschließt er, als sein Magen leer ist. In so etwas …

16.Türchen: Verfahren

Hier wieder eine "alte" Geschichte, noch aus Zeiten der Schreibwerkstatt. Meine erste Schreibübung... jaja, damals. Das hier wird wohl mein erster Anfall ... Maske? Erinnert an Venedig ... Biennale mit Cori und ihren Dreads auf dem Boot in der Lagune. Schwarzweiß, blass, mit Pluderhose. Von hinten. Sie steht allein hinter der Reling und blättert gedankenverloren …

15.Türchen: Die neuen Fernen

  Joachim Ringelnatz (1931) Die neuen Fernen In der Stratosphäre, Links vom Eingang, führt ein Gang (wenn er nicht verschüttet werde) Sieben Kilometer lang bis ins Ungefähre. Dort erkennt man weit und breit Nichts. Denn dort herrscht Dunkelheit. Wenn man da die Augen schließt und sich langsam selbst erschießt, Dann erinnert man sich gern An …

13.Türchen: Winterninjas und ihre Taschenhunde

Alles weiß und knarzig. Die Sohlen knirschen auf den Wegen. Die Passanten sehen alle so anders aus. So schwarz, so vermummt, so verbrechermäßig, so ganz und gar unheimlich. Nur die Omas mit ihren weißen Locken werden zu Ninjas, die sich anschleichen ohne gesehen zu werden. Sie verschmelzen mit dem Hintergrund, mit all dem Weiß. Wie …

12.Türchen: Napuka Teil 4

Tadaaa. Und hier der letzte Teil.. ach, was bin ich stolz! Rennen. Immer weiter rennen. Ich stolpere über Berge von Sandkörnern, über ein Stück Treibholz, und sinke bei jedem Schritt ein. Mein Zeh fängt wieder an zu bluten. Ich lasse mich in den Sand fallen, bleibe auf dem Bauch liegen und beweine meinen roten Zeh. …

11.Türchen: Napuka Teil 3

Aufgrund von akuter Kreativlosigkeit heute Teil 3 statt einem neuen Gedankencrush. Genießt! =) Patrick ist nicht da, nur Lukas sitzt in der Mitte des Raums und grinst idiotisch. Cori baut sich vor ihm auf. „Draußen ist ne Flotte – wo ist Pat?“ Ich sehe ihn durch das Fenster über die Reling des Rundgangs kotzen. Zum …

10.Türchen: Napuka Teil 2

Sodala, der zweite Teil für euch. Ich lieeebe Schnee, hab ich das schon einmal erwähnt? Was für ein toller Tag, so weiß...   Im Boot albern wir herum und Lukas zeigt, wie wichtig er ist und steht breitschultrig hinter dem Steuer. Auf dem anderen Teil der Insel angekommen, springen Patrick und ich ins Wasser und …

9.Türchen: Italienische Stadtfische

Diesmal eine neue Art von Schreibexperiment. Ich bin beim Stöbern über Urlaubsfotos über dieses hier gestolpert und dachte mir, wieso nicht? Bild als Inspirationsquelle ist ja nichts neues, aber schickt mir ruhig mal eure Ideen, was man da noch dazu schreiben könnte... Der Fisch schwamm über die Hauswände und langweilte sich. Warum streichen sie auch …

8.Türchen: Napuka Teil 1

Diesmal ein kurzes Vorwort.Napuka ist während der Schreibwerkstatt im Literaturhaus Müncehn enstanden und auch der Text, den ich bei der Lesung am Ende vorgetragen habe. Die letzten Tage habeich nun  erfahren, dass die Junge Texte Anthologie nun zum Kauf freisteht, Napuka befindet sich auch darin. Zudem ist die Anthologie des "Der Fuchs in uns" von …

7.Türchen: The Perks of Being a Wallflower/ Das also ist mein Leben

Ich liebe Bücher, die einen danach stundenlang mit einem undefinierbaren Gefühl zurücklassen. Man sitzt dann auf dem Sofa und denkt und denkt und findet erst langsam wieder zu sich zurück. Solche Bücher liebe ich. Und meist sind das dann auch die Guten. Die Außergewöhnlichen. "The Perks of Being a Wallflower"(oh, wie ich dieses Wort liebe; …

6.Türchen: Das Duell

Die Laterne scheint hell über dem Kies. Es ist verhangen, undurchsichtig, dunstig, neblig und die Nacht flüstert von Betrügereien und Mordtaten. Es knirscht, ein Paar Herrenschuhe nähern sich von der unbeleuchteten Brücke, der alten, leicht morschen. Ein Paar teure Schuhe mit grauem Anzug und gepflegten Fingernägeln. Sie verharren, erahnen den Anderen, den Zweiten. Husten, laut …

5.Türchen: Mein Wolf

Es gibt Momente, in denen das falsche Lächeln unerträglich wird. Dieses kleine, bedauernde Lächeln mit dem sie dir sagen, dass du es nicht wert bist, dass du nicht gut genug bist. Aber dass sie dich trotzdem ungemein gern haben. Natürlich. Und du stehst da, sinkst langsam in dich zusammen, wimmerst, sträubst dein graues Fell und …