1. Türchen: Mio, die Goldwand

Mio.
Schon wieder eine Nacht ohne Glühwürmchen.
Ich habe mein Zimmer gold gestrichen. Dann leuchtet es zumindest, auch nachts. Dann leuchte vielleicht auch ich, und vielleicht lockt sie das zurück. Sie, die Glühwürmchen und vielleicht dich.

Ich glaube, die Sonne fühlt sich dort wohl, auf meiner Wand. Sie malt da oft die komischsten Muster. Gestern sah es so aus, als säße Kater Murr in meiner Wand. Der von der weißen Oma aus dem ersten Stock. Mit dem ich immer fangen gespielt habe.
Nachmittags sitze ich dann oft am Fenster und schreibe. Damit ich später vorlesen kann.

Nachts scheint der Mond auf die Wand und dann leuchtete es ganz anders, dunkler, geheimnisvoller. Und beruhigender als die grellen Straßenlaternen.
Die du immer um ihr Schicksal belacht hast. „Ha, was gibt es dämlicheres als jeden Tag an derselben Stelle, am selben Ort zu stehen und nicht zu tun, als ein paar Stunden die Dunkelheit zu vertreiben!?“ Ich mag sie auch nicht. Mir wären Glühwürmchen lieber.
Ein Stadt voller Glühwürmchen, so ganz ohne nächtliche Halluzinationen und Traumgestalten, die durch das Schwarz wanken. Dort würde ich in einem hellen, durchsichtigen Haus wohnen und alles beobachten, alles sehen und leuchten. Und die Glühwürmchen würden vorbeikommen und mit mir Tee trinken. Tea-Time mit Scones. Richtig englisch und vornehm.

Und du würdest daneben sitzen und Witze erzählen, über die nur du und Glühwürmchen lachen können.
Wie früher.
Mio, die Glühwürmchen sind verschwunden!

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