7.Türchen: The Perks of Being a Wallflower/ Das also ist mein Leben

Adventskalender 2012, Bücher

Ich liebe Bücher, die einen danach stundenlang mit einem undefinierbaren Gefühl zurücklassen. Man sitzt dann auf dem Sofa und denkt und denkt und findet erst langsam wieder zu sich zurück. Solche Bücher liebe ich. Und meist sind das dann auch die Guten. Die Außergewöhnlichen.

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„The Perks of Being a Wallflower“(oh, wie ich dieses Wort liebe; es ist tatsächlich genau dasselbe wie „Mauerblümchen“, klingt bloß noch prüder) oder auf deutsch auch „Das also ist mein Leben“ von Stephen Chbosky besteht aus Briefen des 15-jährigen Charlies, der an einen wildfremden Jungen schreibt und so auch direkt den Leser anspricht.
Sein erstes Jahr an der Highschool verläuft recht eintönig, Charlie hat zuerst kaum Freunde, wenig Spaß und hört generell lieber zu, als selbst zu reden. Sein Englischlehrer Bill ist der erste, der Charlie etwas näher kommt, ihm beständig Bücher ausleiht und ihn ermuntert mehr zu unternehmen. Bei einem Footballspiel lernt er dann Patrick alias „Nichts“ und seine Stiefschwester Sam kennen, zwei ein wenig durchgeknallte und vor allem ältere Mitschüler, die ihn ohne Fragen in ihren Freundeskreis aufnehmen.

Mit ihnen erlebt er seine erste Party, bei der ihm ein Haschbrownie zugesteckt wird.
(Sam:) „Wie fühlst du dich, Charlie?“
„Ganz leicht.“ (…)
„Siehst du irgendwas, Charlie?“
„Licht.“
„Fühlt es sich gut an?“
„Ja.“
„Hast du Durst?“
„Ja.“
„Was willst du trinken?“
„Einen Milkshake.“
Und alle im Raum außer Sam brechen in Gelächter aus.
„Er ist stoned.“
„Hast du Hunger, Charlie?“
„Ja.“
„Was willst du essen?“
„Einen Milkshake.“

Auf derselben Party erfährt er auch, dass Patrick schwul ist, hat damit (was vielleicht auch an den Brownies liegen könnte) aber kein Problem. Außerdem verliebt er sich unsterblich in Sam, sagt ihr das auch bei nächster Gelegenheit und Sam lacht. Will aber nichts von ihm.
Als sie dann einen Freund hat, fühlt Charlie sich immer allein gelassener, bemerkt, dass der Freund seiner Schwester gewalttätig ist, erinnert sich an seine  Kindheit zurück (und die hier bereits miteinem eher traurigen Beigeschmack beschrieben wird), feiert seinen Geburtstag am 24. Dezember und fällt anschließend in eine Depressionsphase. Tante Helene, seine Lieblingstante, weil sie ihm früher immer 2 Geschenke gegeben hat (eines zum Geburtstag und eines zu Weihnachten!), starb als er 7 Jahre alt war an seinem Geburtstag und Charlie fühlt sich Schuld an ihrem Tod, da sie unterwegs gewesen war, um seine Geschenke zu besorgen. Generell fühlt Charlie immer mehr, dass etwas mit ihm nicht in Ordnung ist. Er hat Depressionsphasen, wacht nach einem LSD-Trip im Schnee und halb erfroren auf und seine Eltern sagen deshalb rein nichts.
Seinen Freunden ergeht es auch nicht besser;
Patricks Freund wird von seinem Vater verprügelt, als dieser erfährt, dass er mit einem Jungen zusammen ist, und Patrick fällt auch in eine längere Depressionsphase, aus der ihm Charlie wieder raushilft. Sam ist unglücklich, weil ihr Freund sie von Anfang an kontinuierlich betrogen hat und wendet sich an Charlie. Sie fordert ihn auf, endlich mal das zu tun, was er wirklich will und nicht immer zu denken. Daraufhin küsst er sie, sie küsst zurück und es hätte DIE Nacht werden können, aber irgendwas hält Charlie zurück.

Später träumt er, dass Tante Helene ihm beim Fernsehen zwischen die Beine greift. Anschließend hat er einen Filmriss von über einer Woche;
Er wacht im Krankenhaus und erfährt, dass dieser Traum kein wirklicher Traum, sondern eine Kindheitserinnerung von ihm war; Seine Tante hatte ihn tatsächlich kontinuierlich missbraucht, anscheinend hatte er das aber erfolgreich verdrängt. Die Reaktionen darauf schildert er kaum –  dafür die Fahrt mit seinen Freunden; Er steht auf der Ladefläche des Pick-ups und fühlt sich frei.
Endlich.

 

Die Sprache ist am Anfang sehr unbeholfen; Kurze Sätze, teilweise recht merkwürdige Kommatasetzung. Mit dem Lesen der vom Englischlehrer empfohlenen Bücher wird der Stil der Briefe allerdings immer flüssiger. Zudem macht die Briefromanform es dem Autor möglich, wichtige Details wie eben den Missbrauch nur „Nebenbei“ zu erwähnen und das Augenmerk mehr auf die glücklichen Momente zu lenken, was dem ganzen eine unglaublich lebendige Wirkung gibt.
Großer Pluspunkt ist auch, dass es keinesfalls ein Happy End gibt und somit so ganz untypisch amerikanisch. Vielleicht ist das mit einer der Gründe, warum es in Amerika als ein Skandalbuch gehandelt wird; Der beiläufige Gebrauch von Drogen und Alkohol und die eine beinahe-Vergewaltigungszene einer Fremden bei einer Party gehören wohl auch dazu.

Und wahrscheinlich ist all das auch der Grund, warum es so gut ist. So betörend und verstörend. Es ist einer der Romane, den man gelesen haben muss, wenn man außergewöhnliche Romane mag. Außergewöhnlich in der Wahl des Protagonisten, der Sprache, der Geschichte, in dem Umgang mit schwierigen Themen und der Darstellung von Freundschaft, befreiender und genzenloser Freundschaft.
Ein Roman, der einen mit einem verschwurbelten Gehirn zurücklässt.

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Das sind die Bilder zu dem Film, bei dem der Autor tatsächlich selbst Regie geführt hat. Erscheint im März auf DVD.

 

 

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2 Gedanken zu “7.Türchen: The Perks of Being a Wallflower/ Das also ist mein Leben

  1. „Ich liebe Bücher, die einen danach stundenlang mit einem undefinierbaren Gefühl zurücklassen. Man sitzt dann auf dem Sofa und denkt und denkt und findet erst langsam wieder zu sich zurück. Solche Bücher liebe ich. Und meist sind das dann auch die Guten. Die Außergewöhnlichen.“

    Genauso habe ich mich nach der Lektüre dieses Buches gefühlt! Eine sehr schöne Rezension, danke dafür!
    T.

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