9.Türchen: Italienische Stadtfische

Diesmal eine neue Art von Schreibexperiment. Ich bin beim Stöbern über Urlaubsfotos über dieses hier gestolpert und dachte mir, wieso nicht? Bild als Inspirationsquelle ist ja nichts neues, aber schickt mir ruhig mal eure Ideen, was man da noch dazu schreiben könnte…

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Der Fisch schwamm über die Hauswände und langweilte sich.
Warum streichen sie auch alle ihre Wände immer gleich? Warum nicht mal lila, blau, grün, feuerrot, dunkelbronze, meeresblau oder korallenfarben? Und warum haben sie bloß alle kein Fischfutter am Fester hängen? Sind Vögel etwa so viel interessanter als Fische? Oder bemerkt man uns bloß nie?
Ach Menschen sind schon dämlich.
Das kleine Dorf war echt gemütlich, die Häuser eigentlich sehr gut verputzt und angenehm zum schwimmen und eigentlich fühlte der Fisch sich generell auch ganz wohl. ABer ihm war so langweilig.
Unten, auf der Straße ging ein Touristengruppe vorbei, eines der Mädchen mit einer großen Kamera, die Eltern lachend auf der Suche nach dem nächsten Cafe.
Er blinzelte einem Mädchen in einem blauen T-Shirt zu, dass die Hauswand musterte, als säße ein Riese dahinter.
Und die hält mich wieder mal für ein Gemälde – falls sie mich überhaupt sieht.
Der Fisch kannte das Problem der Kurzsichtigkeit glücklicherweise nicht (Hallo, Fisch mit BRILLE???) und konnte so nur den Kopf schütteln vor lauter Unverständnis.
„Hey, da oben schwebt ein Fisch!“
Der Fisch erstarrte – hatte sie ihn etwa doch gesehen? Der Rest der Familie blickte erstaunt an die Hauswand. Tatsächlich war da ein Fisch. Aber weder schwebte er, noch bewegte er sich. Und er war alles andere als lebendig – er war eindimensional. Empörend! Was sich diese Italiener alles an die Wand malen. Tz.
„Wo genau hast du deine Brille nochmal gelassen, Sarah?“
Der Fisch verkniff sich ein Lachen und bewegte langsam seine Schwanzflosse – nur nicht aufs nächste Gebäude abtreiben. Da wohnt diese schrecklich 7-köpfige Familie mit nur einem Bad! Phu!
„Aber der bewegt sich wirklich!“
„Mhmm. Warte…“ Ein Blitz und ein leises Klicken. „Guck, das ist wirklich nur eine Art von Kunst. Eine Ahnung. Ne relativ realistische. Aber trotzdem nicht echt.“
Die Gruppe ging weiter, nur das Mädchen blickte sich nochmal um, kniff die Augen zusammen und winkte dem Fisch zu.
Und er winkte zurück.
Bevor er über den Balkon ins nächste Stockwerk schwamm.

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