11.Türchen: Napuka Teil 3

Aufgrund von akuter Kreativlosigkeit heute Teil 3 statt einem neuen Gedankencrush. Genießt! =)

Patrick ist nicht da, nur Lukas sitzt in der Mitte des Raums und grinst idiotisch. Cori baut sich vor ihm auf.
„Draußen ist ne Flotte – wo ist Pat?“ Ich sehe ihn durch das Fenster über die Reling des Rundgangs kotzen.
Zum Glück muss ich das nicht riechen.
„Häh … wasn für ne Flotte?“ Lukas runzelt mal wieder verständnislos die Stirn und kneift die Augen zu. Hinter Cori befindet sich die einzige große Lichtquelle.
„Walfangflotte“, spucke ich aus – weiß der eigentlich rein gar nichts?
„Was? Wo?“ Patricks Stimme ist viel zu schrill und zu hoch – am liebsten würde ich mir die Ohren zuhalten, besitze aber sogar jetzt noch genug Anstand, es nicht zu tun.
„Draußen, direkt vor dem Turm, Fridi hat sie gerade entdeckt. Sie …“ Cori gestikuliert wild. Lukas versucht, ihren Händen mit den Augen zu folgen – was ihn im Moment eindeutig überfordert.
Patrick wirft mir einen fragenden Blick zu, als ich breit grinse, ignoriert mich aber ansonsten. Hält mich wahrscheinlich für komplett dicht.
Aber mein Denken ist wieder normal schnell, muss an dem Adrenalin liegen. Zumindest fast normal.
Bei Pat liegt die plötzliche Nüchternheit wohl am Kotzen. Und bei Lukas ist sie noch nicht eingetreten.
„… müssen sie stoppen!“, endet Cori.
„Und wie?“ Patrick läuft nervös auf und ab. „Viel ausrichten können wir ja nicht, was haben wir denn schon?“
„Funk?“, schlägt Cori vor, aber er winkt sofort ab.
„Und wieso nicht?“, frage ich.
Beide blicken mich überrascht an, so als hätte ich sie gerade bei einem einsamen Gespräch gestört. Dabei stand ich doch mehr als deutlich mitten im Raum.
„Was sollen wir denen denn sagen, Fridi? ‚Könnten Sie bitte abdrehen – die Wale, die sie jagen, sollen katalogisiert werden‘? Bullshit!“
Ich hab ihn noch nie Fluchen gehört. Und es will auch nicht zu seiner Stimme passen.
„Lieber: Verpisst euch, Fucker! Das sind unsere Viecher!“, ruft Lukas und stößt ein wieherndes Lachen aus.
Cori ist in der nächsten Sekunde bei ihm und verpasst ihm eine schallende Ohrfeige. Hoffentlich hinterlässt die einen schönen Abdruck.
„Verdammtes Arschloch! Kannst du nicht einmal nicht nur an dich denken? Das ist so erbärmlich! Nicht mal das ist dir wichtig! Dabei ist das unser verdammter Job! Und du kannst nur wieder in der Ecke hängen und an dich selber denken! Was zum Teufel machst du dann eigentlich hier?“
Endlich. Es hätte ihm schon längst jemand mal die Meinung sagen sollen. Auch wenn ich es von Cori nicht erwartet hätte – sie ist sonst diejenige, die immer freundlich bleibt. Aber ich verstehe sie. Gestern noch hat sie mir vorgebetet, wie intelligent Wale seien und dass man sie schützen müsse und verteidigen gegen die bösen Waljäger und wie schön sie seien und dass ein Kleines ja schon mehr wiege als zwei ausgewachsene Männer, vorausgesetzt man nehme nicht zwei Sumo-Ringer zum Vergleich und …
„Cori!“ Patrick fasst sie am Arm. „Es reicht!“
Sie hört auf zu schreien und schnappt mit rotem Kopf nach Luft. Ihre Augen funkeln merkwürdig eisblau. Dabei hat sie eigentlich eher grünblaue Augen.
Lukas schrumpft unter ihrem Blick, bis er wie ein kleiner Hund wirkt.
„Aber ich …“
„Es geht hier nicht um dich, Lukas!“ Cori will sich beinahe wieder auf ihn stürzen, aber Patrick stoppt sie, indem er sich zwischen die beiden schiebt . Cori wendet sich ab.
„Cori hat Recht, es geht hier nicht um dich.“ Patrick kniet sich vor Lukas hin. „Nicht um dich, nicht um mich und auch nicht um Cori, verstanden?“
Er spricht so langsam und eindrücklich, dass sogar ich unwillkürlich nicke. So ernst habe ich ihn noch nie erlebt. Lukas vermutlich auch nicht, denn er hängt förmlich an seinen Lippen.
„Es geht hier einzig und allein um die Wale. Die sieben, die wir vorhin gesehen haben. Erinnerst du dich?“
Lukas nickt langsam. Wie hypnotisiert. Wie eine Schlange, die nach der Flöte tanzt. Und so gar nicht wie er selbst. Wie macht Patrick das bloß?
Von seiner sonst so unerträglichen Stimme geht ein Sog aus, der einen diesen gottverdammten Leuchtturm und den nicht mehr auszuhaltenden Job vergessen lässt. Jetzt weiß ich immerhin, wie er es immer geschafft hat, Lukas selbst im besoffensten Zustand zurück zu bringen.
Ich sehe, wie Lukas wieder widerstandslos nickt, und reiße mich los, wende mich ab.
Und blicke in Coris zusammengekniffene Augen.
„Was ist?“ Fast spucke ich die Worte aus. Dabei weiß ich, dass die Frage mehr als unnötig ist. Ich weiß, was los ist – alles ist zu viel.
„Dich interessiert das wohl gar nicht?“, sagt sie.
Ich starre sie fassungslos an.
„Und nicht mal jetzt sagst du was! Ich fass es nicht!“ Sie ballt die Hände zu Fäusten.
Unwillkürlich gehe ich einen Schritt zurück.
„Nur weil ich nichts sage, heißt das doch nicht …“ Meine Stimme ist zu leise. Irgendwie fremd. Ich schlucke.
„Natürlich interessiert mich das … sonst wäre ich doch nicht hier und …“
„Und warum bist du hier?“
Sie scheint auf eine Antwort zu warten.
Doch als ich dazu ansetzte, unterbricht sie mich sofort.
„Du bist hier, um diese Wale, diese …“ Sie zeigt auf das schmutzige kleine Fenster neben uns und meint wohl die Wale im Meer dahinter. „… zu schützen. Und das weißt du! Und was machst du? Rein gar nichts! Du sitzt immer nur da. Sitzt da und schweigst!“
„Rein gar nichts?“ Ich wiederhole es ungläubig, leise. „Ich bin doch die Einzige, die hier irgendetwas tut. Ihr besauft euch doch nur!“

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