17.Türchen: Idiot auf Kacheln (Molle Teil 2)

Adventskalender 2012

Heute (endlich!!!) die Fortsezung von „Nächte sind was für Idioten“, der Molle-Kurzgeschichte. Freuet euch!

Das Zigarettenmädchen hatte Recht. Wodka ist was für Idioten und eigentlich ist Molle kein Idiot. Aber als er über der Kloschüssel hängt, fühlt er sich extrem idiotisch.
Das Bad ist zu weiß, beschließt er, als sein Magen leer ist. In so etwas wohnt man doch nicht. Wie eine große Schuhbox ist das, da wohnt man ja auch nicht. Eine Box für Schuhe von Prada. Oder Chanel.
Einfach zu weiß. Fehlt nur noch das Goldpapier.
Er wäscht sich den Mund und die Hände und setzt sich auf den Klodeckel. Was für ein merkwürdiger Abend. Wo war Mark eigentlich? In den Armen der Blondine? Oder über einer der anderen zu weißen Kloschüsseln?
Er ist so müde. Das Zimmer dreht sich, wie in einem zu langsamen Kinderkarussel fühlt er sich. Er schließt die Augen und die Hintergrundgeräusche verschwinden in einem Strudel aus Weiß und der Kälte der Keramikplatten.

Irgendwas ist zu laut. Dieses ungleichmäßige Pochen. Was für ein Beat. 
Molle blinzelt gegen all das Weiß.
„Hey! Welcher Idiot blockiert da die Toilette?“, grölt eine Frauenstimme.
Er kniet, fährt sich übers Gesicht und stöhnt.
„Maaaaannnn! Lucy. Was für eine Babyparty. Warum musste ich diesmal mit?“ Die Stimme kennt er doch. Das Zigarettenmädchen. Oder?
„Ach komm, du hast doch Spaß. Hab dich doch mit dem blonden Jungen vorhin gesehen. Süß. Vielleicht ‘n bisschen jung, was?“
„Im Gegensatz zu deinem Hundetyp versteht er, was ich sage…“ Lachen.
Das Zigarettenmädchen, das mag er irgendwie. Wie die andere wohl aussieht? Wahrscheinlich ist sie blond, mit langen Haare und einem kaum geschwungener Mund mit zu rotem Lippenstift. Das würde zu einem der Hundetypen passen. Vielleicht im Rock, kurz natürlich. Und ein leichtes Top.  
„Im Ernst. Wie lange willst du noch bleiben?“
„Du willst echt abhauen? Wie immer?“, fragt diese Lucy
… Schweigen …
„Das nervt. Musst du immer wegrennen?“
„Pff, ‘wegrennen‘.“ Da ist sie wieder, diese verrauchte Stimme. „Sei nicht so dramatisch. Ich renne nicht weg. Ich gehe weg. Ich schlendere. Wenn überhaupt.“
„Verdreh mir nicht immer meine Worte! Ich hasse das.“
 „Ach, das hasst du? Ich hasse es, bei solchen Partys zu bleiben. Bleiben ist generell schrecklich. Wozu auch? Philosophen sitzen nicht kotzend neben ihrer Wodkaflasche!“
„Philosophen. Das ist es, was du suchst?! Wir, ich und Mara und Cori reichen dir nicht? Wir sind zu uninteressant, richtig?“
„Was willst du jetzt hören? Ein Nein? Oder Ja?“
„Ich will nichts hören. Rein gar nichts! Weißt du was, lass es einfach, ja?! Lass mich einfach und renn allein weg. Ich bleibe!“
„Hey…“
 „ …und jetzt setz ich mich neben die Wodkaflasche und kotz ein wenig. Gute Nacht!“
„…“
„Alles okay?“, fragt Molle.
Das Zigarettenmädchen dreht sich zu ihm um, blickt ihn kurz stumm an. „Du bist es. Auf der Toilette gepennt?“ Sie zieht eine Zigarette aus der Hosentasche – ein wenig krumm, zerknittert, aber sie zündet sie trotzdem an.
„Vor der Toilette“ Er grinst. Er fühlt sich, als würde er Grimassen schneiden, aber sie nickt ihm zu.
„Ist auch bequemer. Wirklich kein Idiot, was? Dacht ichs mir.“
Molle findet auf-den-Kacheln-schlafen zwar genauso idiotisch, fühlt sich aber geschmeichelt.
„Willst du kurz mit raus? Nur vor die Tür, oder in den Garten. Tut dir bestimmt auch gut.“

 Fortsetzung 

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2 Gedanken zu “17.Türchen: Idiot auf Kacheln (Molle Teil 2)

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