Der zu unspektakuläre Autounfall

Gedankencrushs

Mein Autounfall am Donnerstagabend war zu unspektakulär.

Ich erwartete lautes Knirschen, eingedellte und zerquwetschte Metallteile und Atmenot auf grund der ganzen ausgelösten Airbags.
Ich erwartete eine Art Zeitlupe im Moment der größten Beschleunigung und den einen Moment, in dem mein Leben noch einmal an mir vorbei zieht.

Stattdessen zog ein gelber Porsche an meinem Fenster vorbei und ließ laut den Motor aufheulen.
Statt dem verkrusteten Blut, dass überall – an mir und an den billigen Sitzbezügen – kleben sollte, stellte der Rettungsanitäter zwei dicke Beulen und eine („wirklich sehr leichte, also da brauchen sie sich keine Sorgen machen! Wirklich nicht.“) Gehirnerschütterung fest. Nichts, dass mich von der Arbeit abhielt, also. Leider.
Denn so glaubte mir bestimmt keiner die Geschichte von meinem Unfall.

„Oh, ich habe gehört du hattest gestern einen Unfall?! Ist ja schrecklich -ich hoffe es ist nichts Schlimmes? Du kannst doch die hohen Rechnungen bzahlen?! Aha, nur ein zwei Kratzer? Und Verletzungen? Man sieht ja gar nichts! Nur ein paar Beulen? Interessant. Und wann genau – sagtest du – war das nochmal? Gestern? So gegen 20 Uhr? Mhmmm. Nein Nein, klar, wieso sollte ich? Ist ja auch wirklich was ganz Ernstes. Sowas sollte man nicht auf die leichte Schulter nehmen. Natürlich nicht. Jaja.“

Und so war ich dann doch wieder der Träumer, der Sachen erlebte, die nie passieren können. Ein Unfall ohne große Schaden? Ach was du dir wieder ausdenkst, sowas gibt es doch heutzutage gar nicht mehr…

Lieblingsorte

Gedicht

Heute eine kleine Schreibübung in Gedichtform;

Das ist
weiß-blau
mit Muscheln auf Augenhöhe
und Weiß an den Füßen

Das ist
gemütlich warm
so morgens um 7
statt ekligem Kaffee

Das ist
wie ein chinesisches Wellnessbad
zum träumen
von Badewölfen
von Glühwürmchen
von einem anderen Morgen

Das ist
mit Kissen und Decke
fast wie mein Bett

und ohne Kissen
meine Dusche
morgens um 7

Sie mögen sich

Meldung

Inspiriert! Bin gerade über dieses wundervoll kreative und intelligente Musikvideo gestolpert.

Sie mögen sich von Shaban & Käptn Peng. Der Anfang erinnert mich etwas an meine Kurzgeschichte „Schwarzweißrot“… umso besser. Genießt!

 

Idiotische Glühwürmchen (Molle Teil 3)

Kurzgeschichte

Hier die Fortsetzung von Molle. Bin zwar noch nicht vollends zufrieden, aber trotzdem… für euch…!
Zu Teil 1 oder Teil 2.

Die Schaukeln quietschen. Und eigentlich sollte er frieren – der Rasen ist mit Frost überzogen – aber er spürt die Kälte nicht.
Sieht nur das orangene Licht der glimmenden Zigarette.
Das Gesicht des Mädchens scheint zu leuchten.
„Wie bist du normalerweise drauf, Molle?“, fragt sie. Riesige grüne Augen sieht er vor sich. „Immer so stumm? Oder denkst du einfach viel?“
Er braucht kurz, um nachzudenken. „Ich glaub nicht“ Er blickt kurz in Richtung Haus. „Mark und so, die reden immer schon genug. Und der hört eh nicht gern zu…denke ich?“
„Denkst du?“ Er hört das Lächeln. „Find ich süß.“ Sie nimmt einen Zug, blickt dem Rauch hinterher. So wie er vorhin.
„Gut, dass du nicht rauchst, übrigens. Das steht nur den wenigsten Leuten. Der Rest sieht damit einfach nur affig aus. Und stinken tut es auch noch.“
Wirklich? will Molle fragen. Du stinkst doch nicht, du riechst nach herzförmigen Rauchkringeln und rebellischer Lederjacke, nicht nach Affe.
Aber da ist der Moment auch schon vorbei.

Molle wacht von der Stille auf. Er spürt das leichte, beruhigende Ruckeln eines Zuges, aber er hört nichts.
Vorsichtig kämpfen seine Augen gegen all das Rot an. Rote Ledersitzbänke, rote Wände, rotes Licht.
Langsam irren sie dann über das leere Zugabteil.
Er fährt sich abwesend über das Gesicht. Er muss in der Trambahn eingeschlafen sein. Mal wieder. Allerdings sind die Sitzplätze eigentlich blau und nicht so angenehm.
Und das Abteil ist zu groß, zu schön, zu leise.
Und da erst bemerkt er sie;
Die Schatten, die auf den Bänken sitzen, ihre Pfeifen paffen und Zeitung lesen. Schwarze Männer mit Anzug und Hut, durch die man deutlich all das rot sehen kann. Durchsichtig sind sie.
Ein Schattenmann ihm gegenüber bemerkt seinen entgeisterten Blick und nickt ihm höflich zu. Molle ist allein unter Schatten.
„Verzeihung, könnte ich mir vielleicht ihren Kugelschreiber ausleihen?“, fragt eine zarte Stimme neben ihm. Erschrocken dreht er sich um und blickt in das Gesicht eines blassen jungen Mädchens. Eines nicht durchsichtigen und nicht schattig schwarzen Mädchens.
Eine große, alte, omamäßige Brille sitzt auf ihrer sommersprossigen Stupsnase. Und ihre Augen haben einen merkwürdigen Goldstich. So als hätte sie zu lang in die Sonne gestarrt. Sie kennt er doch!
„Ähm.“ Für eloquentere Äußerungen ist er zu perplex. Ihre Haare, die sehen aus wie immer. Nur die Augen – so nahe war er ihr noch nie!
Ein Glühwürmchen setzt sich auf ihre Omabrille und starrt ihn böse funkelnd an. Er glaubt sogar ein wütendes Surren zu hören.
„Äh, klar. Ich… ist das…?“
Sie reagiert nicht auf seine halbe Frage, wartet nur auf den Stift und blickt ihn weiterhin unbekümmert an.
„Ich… warte kurz!“ Er kramt in seiner Jackentasche und findet tatsächliche einen Kugelschreiber. Grün ist er und passt so gar nicht in den Zug, den Moment und die Geschichte.
Sie nimmt ihn Molle kommentarlos aus der Hand, dreht sich um und nur das Glühwürmchen faucht ihn noch einmal drohend an.
Molle starrt dem Mädchen hinterher, das sich zwei Sitzreihen weiter vorne im Schneidersitz auf das rote Leder setzt. Das Glühwürmchen ist nicht alleine, ein ganzer Schwarm tanzt um das Mädchen und taucht sie in ein diffuses gelbgrünes Licht.
Sie wirkt wie ein einziges großes Glühwürmchen mit Brille. Es erinnert ihn an seine letzte Begegnung mit den Leuchtkäfern. Als er plötzlich in der Kanalisation baden ging. Er blickt sich um, um sich zu versichern, dass sie beiden die einzigen Menschen sind.
Und da bemerkt er, dass der Zug kein Ende hat. Der Gang zwischen den Sitzen erstreckt sich endlos hin, scheint immer kleiner und enger zu werden.
Ohne Ende. Vielleicht sollte er aufstehen, versuchen, einen Ausgang zu finden, aufzuwachen.
Aber da ist das Mädchen mit den Glühwürmchen und die Schatten und… was solls?
Er steht auf, läuft den Gang entlang, hin zu dem Mädchen.
Schattenmänner ziehen an ihm vorbei, beobachten ihn aus den Augenwinkeln. Einer nickt höflich.
Draußen hinter den Fenstern ziehen Bäume vorbei, Lichter, Leuchtreklame, Städte.
Aber das Mädchen, das erreicht er nicht. Er läuft, die Schatten ziehen an ihm vorbei und doch bleibt sie, sein Ziel, immer zwei Sitzreihen entfernt.
„Aber mein Stift. Der war doch nur geliehen!“, will er rufen und er will ankommen, doch nichts passiert. Nur die Bäume und Schatten ziehen weiter vorbei. Ansonsten bleibt alles gleich.