Ich esse Erinnerungen

Frei nach Baudelaire;

Für Fred

Ich esse Erinnerungen.
Im Tee schwimmt noch der französische Kandiszucker und ich höre dein Lachen, als ich einen Schluck nehme. Aber als ich mich umschaue, bist du nicht da.
Ich blicke meine French Toast an und würde gerne Baguette sehen, Baguette und cremigen Stinkekäse. Stattdessen nehme ich Ahornsirup.
Es schmeckt gut. Glaube ich. Ich schmecke nur Nicht-Baguette und Nicht-Käse und frage mich, was du wohl isst. Wieder Croissant mit Frischkäse?
Meine Augen sind müde, blinzeln zu oft, verdrängen die Tränen, die immer wieder ausbrechen wollen.
Du sitzt da irgendwo in meiner Brust, in eine Kuscheldecke gewickelt und eine Erinnerung von dir reicht, damit ich wieder in mich zusammensacke. In Gesprächen winkst du aus mir heraus, nuschelst mit meiner Stimme und ich merke, wie ich manchmal dein Lachen lache und nicht mehr meins. Oder die Augen zusammenkneife so wie du bei deinem lautlosen Lachen. Weil das dann fast wie erinnern ist.
Ach, ich esse Erinnerungen.
Und sie schmecken so viel besser als mein in Ahornsirup ertränktes Frühstück.

Creative Commons Lizenzvertrag
Dieses Werk von Sophie Stroux ist lizenziert unter einer Creative Commons Namensnennung – Nicht kommerziell – Keine Bearbeitungen 4.0 International Lizenz.

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