sommerliche Wehmut

Gedichtübersetzung

Zur Abwechslung eine Gedichtübersetzung von mir von dem französischen Gedicht „Tristesse d’été“ von Mallarmé. Genießt!

 

sommerliche Wehmut

Die Sonne wärmt in deinem goldenen Haar
ein sehnsuchtsvolles Bad, dir schlafende Kämpferin,
tilgt den Weihrauch über deinem feindlichen Spiel
und rührt mit den Tränen einen Trank der Liebe.

Von dieser Ruhe des immer gleichen weißen Glanz
hast du, oh meine zaghaften Küsse, traurig gesagt bekommen;
„Wir werden niemals nur eine Mumie sein
unter der uralten Wüste und glücklichen Palmen!“

Deine Haare sind ein nur lauwarmer Fluss,
in dem ohne Schauder die Seele, die uns so quält, ertrinkt
und sich das dir so unbekannte Nichtssein findet.

Ich würde das Puder deiner nassen Lider kosten,
um zu sehen, ob es dem Herzen, das du pochen ließest,
die Unempfindlichkeit des Meeres und dieser Ruinen schenkt.

von Sophie Stroux 

 

tristesse d’été

Le soleil, sur le sable, ô lutteuse endormie,
En l’or de tes cheveux chauffe un bain langoureux
Et, consumant l’encens sur ta joue ennemie,
Il mêle avec les pleurs un breuvage amoureux.

De ce blanc flamboiement l’immuable accalmie
T’a fait dire, attristée, ô mes baisers peureux
“ Nous ne serons jamais une seule momie
Sous l’antique désert et les palmiers heureux ! “

Mais la chevelure est une rivière tiède,
Où noyer sans frissons l’âme qui nous obsède
Et trouver ce Néant que tu ne connais pas.

Je goûterai le fard pleuré par tes paupières,
Pour voir s’il sait donner au coeur que tu frappas
L’insensibilité de l’azur et des pierres.

Puddingtage

Gedankencrushs

Anlässlich des Knackens der 50 Marke (Mehr als 50 Menschen lesen meine Texte! Was gibt es schöneres?!) hier einen kleinen Nachtisch-Text, der sich lose in die Molle-Texte einordnet.

 

Langsam glaubt Molle, dass er ein Pudding ist.
Nicht einer dieser grün-schwabbeligen Teile, die bei MacDonalds an Kindergeburtstagen serviert werden. Die man als Kind nur wegen der Farbe liebt und danach, weil man sie als Kind mochte. Nicht so einer ist er, sondern ein langweilig glibberiger Vanillepudding, der zwar gut schmeckt, aber keine Haut hat, zu weich ist, in den jeder Löffel einfach einstechen kann und der jeden Geruch in sich aufnimmt. So ein Pudding ist er.
Einer, der sich nicht wehren kann, weil er ja keine Haut hat und Puddings sich sowieso nie wehren, vielleicht weil sie es nicht wollen, wer weiß das schon.
Molle weiß nur, dass er das nicht tut, dass alle Gefühle und Glühwürmchen und Zigarettenmädchen gleich beim ersten Kontakt sich in sein Hirn schleichen und einfach nicht mehr verschwinden, sich weigern, sein Puddinghirn wieder zu verlassen.
Und dann sitzen sie dort, das Zigarettenmädchen mit ihren Locken und die leuchtenden Glühwürmchen, sitzen nebeneinander auf einem zu roten Sofa mitten in ihm, sitzen dort und das Zigarettenmädchen raucht und unterhält sich mit den Leuchtkäfern und zusammen lachen sie dann über Molle und seine Puddinggefühle. So ein fieses, zu hohes Kichern, das in seinen Ohren hallt. Und obwohl er sich sicher ist, dass das Zigarettenmädchen so gar nicht kichern kann, weil ihre Stimme ganz anders ist, viel dunkler, ein wenig geraspelt, so wie man Apfel manchmal raspelt, so hört er dieses Kichern und sackt in sich zusammen und fühlt sich wie ein Pudding.
Ein zu sentimentaler Pudding.
Und er hasst es.

Creative Commons Lizenzvertrag
Dieses Werk von Sophie Stroux ist lizenziert unter einer Creative Commons Namensnennung – Nicht kommerziell – Keine Bearbeitungen 4.0 International Lizenz.

Füsche und Quallen, Part 1

Kurzgeschichte

Hier eine Antwortgeschichte auf einen wundervollen Text, in dem sich die Protagonistin fragt, ob man in Telefonzellen tauchen kann.
Ja, man kann. Natürlich kann man das.
Der Text ist noch nicht fertig, aber ich wollte ihn trotzdem mit euch teilen – vielleicht hat jemand ja eine Idee wie es weitergehen wird?

Sie sieht Fische. Überall Flossen und Kiemen und Regenbogenfarben, die im Dunkeln leuchten. Sie sieht Fische zwischen Korallen, zwischen Felsen, zwischen Fischen, sie sieht einen riesigen Fischhimmel, der schwimmt, flüstert, schillernd tanzt.
Man kann in Telefonzellen tauchen.
So viel weiß sie jetzt, jetzt wo sie zwischen Fischen schwebt. Die Fische glotzen hinein, durch die altmodischen roten Gitter der aus London entflohenen Telefonzelle, glotzen wie in der alten Geschichte. Und sie glotzt ein wenig zurück, raus aus dem Licht, hinein ins Dunkel, erkennt keine bekannten Gesichter und erinnert sich erst als ihre Finger den Staubsand auf der Ablage durchfahren, weshalb sie in der roten Telefonzelle ist.
Es ist nicht meine Schuld, denkt sie, während sie sich an die versandete Scheibe lehnt, ganz rechts, obwohl es ja eigentlich kein rechts mehr gibt, so im unendlichen Ozean, aber es ist ein rechts, das beschließt sie. Ein rechts neben der Ablage.
Sie sinkt nur langsam und obwohl es innen behaglich ist und sie nicht friert, fürchtet sie sich, denn sie weiß nicht, ob es immer so warm bleiben wird, ob ihr englisch rotes Tauchboot eine Landung überleben kann.
Sie weiß es nicht, weil sie noch nie in einer Telefonzelle getaucht ist.
Sie weiß es nicht, weil sie nicht weiß, ob sie wirklich gerade taucht oder träumt.
Sie blickt auf die Muster in dem Sand, den jemand in der Telefonzelle vergessen hat, den der Wind hinein gebracht und niemand wieder hinaus gebracht hat. Und sie denkt an grüne Augen, die sie vermisst. Denn ihre eigenen Augen, die sind nicht grün genug, die sind wässrig, mal blau mal grün, aber niemals meeresfarben.
Und deshalb versteht sie es nicht. Versteht nicht, weshalb sie in dieser Telefonzelle taucht – wo sie doch keine Meeresaugen hat.
Draußen zieht ein kleiner Quallenschwarm durch den Fischhimmel.
Sie ist hier, weil sie wissen wollte wie es ist, sich in einen Fischhimmel zu verirren und tatsächlich ist es wohl doch ihre Schuld, dass sie jetzt in einer tauchenden Telefonzelle sitzt und wartet. Nicht, dass sie sich wirklich unschuldig gefühlt hätte. Aber falls jemand sie oder sie sich selbst später fragen sollte, dann war es wohl ihre Schuld.
Ein Kalamari winkt aus dem Meeresdunkel.
Das Problem ist, denkt sie, dass man in einer Telefonzelle tauchen kann, aber nicht lenken. Und außerdem gibt es keine Uhren in Telefonzellen und das ist es, was sie am meisten stört.
Denn ein Blick auf eine Uhr und sie wüsste, wann es Zeit wäre, egal für was, denn zu wissen, wann es Zeit ist, ist wichtig, vor allem, wenn man zu viel davon hat. Dieser Gedanke spukt in ihrem Kopf und sie weiß nicht genau, woher er kommt, vielleicht aus einem Buch, oder auch von ihr, auf jeden Fall, erinnerte er sie an Alice im Wunderland und plötzlich fühlt sie sich ein bisschen wie Alice, bloß älter. Aber neben ihr steht kein Trank, liegt auch kein Kuchen, der sie größer oder kleiner machen könnte und sowieso würde sie das gar nicht wollen, denn dann würde sie vielleicht die Telefonzelle sprengen und das Dunkelwasser hineinfließen und ob man auch ohne Telefonzellen tauchen kann, das weiß sie nicht.
Deshalb schiebt sie die Alice-Gedanken zur Seite und blickt einem Fischschwarm hinterher. Im Licht ihres Bootes schimmern ihre Rücken leicht, wirkt der Schwarm wie ein großes Gemälde
Und erst so, als sie in das Dunkelmeer aus Blau und Grüntönen blickt, erinnert sie sich an das Telefon, das es in ihrem roten Untermeeresboot geben muss.
Sie sieht sich um und ihre Augen, ihre nicht meeresfarbenen Augen, finden tatsächlich einen Telefonhörer, eine schwarzen, altmodischen, mit Drehscheibe. Eine Telefonzelle aus London mit Drehscheibe, denkt sie, romantischer geht es nicht. Aber was soll sie tun. Sie ist nicht für die Romantik verantwortlich auf diesem Tauchgang. Sie wollte nur wissen, ob man hier und so tauchen kann und nicht, wie romantisch das ist.

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