Perks of Being a Wallflower, Tschick, NICHTS und viele mehr

Meldung

Am Dienstag war ich auf einer Veranstaltung im Rahmen der kontrovers-Reihe des Gasteigs – Besser als Bestseller? Kultbücher!. Die Frage war: Was ist ein Kultbuch, diskutiert anhand von drei Büchern, nämlich Perks of Being a Wallflower (Das also ist mein Leben) von Stephen Chbosky, Tschick von Wolfgang Herrndorf und NICHTS  – was im Leben wichtig ist von Janne Teller. Tatsächlich kannte ich alle drei Bücher, alle drei hatten mich damals beim Lesen irgendwie berührt, waren irgendwie besonders.

Nun saßen da zwei Schriftsteller, eine Verlagswissenschaften-Dozentin und ein Literaturwissenschaftler, der gerade seine Habilitation über das Kultbuch geschrieben hat. Und sie konnten sich in einer netten Diskussion darauf einigen, was ein Kultbuch ist, aber leider auch darauf, dass alle drei Bücher eigentlich keine seien und es keine modernen Kultbücher gebe.

Denn ein Kultbuch sei ein Buch, dass vor allem das Leben des Lesers nachhaltig verändere, ihn beschäftige, aber auch leicht quer zum Mainstream stehe und Bestand habe. Meistens sind es Jugendbücher.

Harry Potter sei also vielmehr ein Buch mit Fangemeinde, als ein Kultbuch, denn wessen Leben hätten diese Bücher schon nachhaltig verändert?!?

Mein Fazit wäre: Hier reden Erwachsene über Bücher, die sie natürlich nicht nachhaltig beeinflusst haben, weil sie eben schon alt sind und nicht jugendlich, nicht in der großen Identitätskrise, genannt Pubertät.

Aber ich würde gerne eure Meinung hören. Was ist eurer Meinung nach ein Kultbuch? Und was waren/sind für euch die wichtigsten Bücher in eurer Jugend/oder auch jetzt?

 

und du mittendrin

Gedicht

Schau doch
wie dreckig alles ist.
Als wären die Wände Magneten
und du

unmagnetisch

zwischendrin

zwischen zwei Wänden
so sauber
man könnte auch sagen

deplaziert

Aber das hieße ja
dass du überhaupt einen Platz hast
oder hattest

Und da
bist du dir nicht so sicher

Die Wände
sie
stoßen dich ab

 

Abend im Künstlerhaus

Meldung

Im Sommer stehe ich auf der Bühne des Künsterhauses und rede mit Bachmann-Preisträger Thomas Lang über seinen Netzroman. Thomas versucht bei diesem Projekt, den Schreibprozess zu digitalisieren und demokratisieren – zumindest in Teilen.

Das heißt: er lädt die Leser seines Blogs dazu ein, über die Charaktere und Plotideen nachzudenken und per Kommentarfunktion mit ihm zu diskutieren. Die Handlung ist inspiriert von einem tragischen Fall vor einigen Jahren, bei dem eine Gruppe Jugendlicher eine Leiche brutalst geschändet hat. Thomas will in dem Buch den Jugendlichen eine mögliche Hintergrundgschichte geben.

Das Thema ist also super spannend (was ist „Schuld“ und wie geht man damit um?) und wer gerne schreibt und liest oder einfach nur zugucken will, wie ein Buch entsteht, sollte unbedingt mal vorbeischaun!

Hier der Link und eine schöne Woche!

Lexikon der Angst I

Gedankencrushs

Vor einem Jahr habe ich ein Lexikon der Angst geschrieben, genauer gesagt meiner eigenen Ängste. Und – merkwürdigerweise – ist dieser Text, Eintrag Nummer 1, nichtmal gruselig.

ANGST 1
Ich fühle mich oft fehl am Ort. Wie eine geblümte alte Stehlampe in einem schicken weißen Betonbau. Das kann passieren, wenn ich einen Laden betrete, den Fuß auf den gedielten Boden setze und dem Angestellten in die Augen gucke, die hinter einer 1000 Euro-Brille verschwinden. Oder auch in einem Geschäft für Skateboards. In mir macht es PLOPP und statt mir steht die rosa Lampe im Eingang.
Das passiert bei Parties, an denen ich zu spät komme, alle schon angetrunken sind und ich zu wenig Leute kenne. Oder diese nicht finden kann. Dann bleibe ich mit dem Fläschchen Bier stehen, das man mir mit einem verwirrten Lächeln (haben wir dich wirklich eingeladen?), in die Hand gedrückt hat. In der Mitte des Raums, um mich redende Leute wie ein großer Fischschwarm und es macht laut PLOPP und ich werde zu Blümchenmustern und schweige wie es alte Möbel tun.
Ich werde zur Lampe, wenn ich die Sprache nicht verstehe, mit der ich angesprochen werde. Wenn ich ganz generell jemanden nicht verstehe, wenn mich jemand aus dem Gespräch ausschließt, wenn ich als erste mit dem Essen fertig bin, wenn ich Insiderwitze nicht verstehe, wenn ich merke, dass man indirekt über mich redet. Plopp. Da bin ich, die rosa Lampe.

Treffen junger Autoren II

Meldung

Falls jemand noch mehr vom Treffen junger Autoren erfahren will oder nicht weiß, was das überhaupt ist – ein paar kreative Köpfe haben frisch, frech und völlig absurd über das Wochenende berichtet auf dem offiziellen Blog der Berliner Festspiele.

Treffen junger Autoren

Meldung

Ich war die letzten Tage auf dem renommierten Treffen junger Autoren eingeladen und habe dort so interessante junge Autoren kennengelernt, dass wir gleich mal ein neues lyrisches Projekt gestartet haben – als [asphaltpoeten.]
Wer junge Autoren unterstützen will, indem er ihre Stadtpoesie liest, kann sich gerne auf [asphaltpoet.] umschauen.

Neues von mir kommt bestimmt auch bald wieder – es ist nur schwer hier zu posten, wenn ich es danach bei Wettbewerben einsenden will. Die sind bei sowas immer recht pingelig.

 

Nachtwalzer

1 Zigarettenlänge Philosophie, Gedankencrushs

„Also du, ich muss mal kurz, pass auf meine Eiswürfel auf. Und lass dich nicht wegklauen.“
Sie erhebt sich und ist noch einmal größer, lässt ihre Jacke neben dir liegen.
Die blickst dem Zigarettenmädchen hinterher, wie sie im leichten Walzer aus dem Zimmer wankt. Ob sie sich jetzt überhaupt noch an dich erinnert?

Die wahre Fuge

Kurzgeschichte

Und was gibt es jetzt noch zu sagen?
Ich beobachte den Wind vor den Fenstern, male kleine Kreise in das Plastik des Tisches. Zwei Krähen hüpfen vor dem Waldanfang. Ich warte.

Sie ruft, mit einem leisen Seufzen in der Stimme, und ich tue so als hätte ich nichts gehört, deshalb trägt sie sich heute selbst die Treppen hinunter.
Sie sieht müde aus, lila Halbmonde unter ihren Schildkrötenaugen, aber sie lächelt, setzt sich und trinkt den schwarzen Tee, der gerade noch dampft.
Sie leuchtet heute matt, wie ein einziger Mond aus vielen kleinen Halbmonden, ihr Mund beugt sich zur Sichel beim Trinken.
„Das Teleskop des Chamäleons“, sage ich und schiebe ihr die Schachtel hin.
„Ach,“ sie winkt ab, „so warte doch ganz kurz“.
Doch sie setzt die Tasse halb ab, lässt sie nur knapp über dem Tisch baumeln, über dieser Glätte aus Weiß und blickt auf die Ansammlung blauer Punkte. Mit ihrer Leberfleckenhand massiert sie sich die Schläfe. Sie murmelt leise die Buchstaben, dann nickt sie.
„Das Neonmädel – eile Pechkote“, sagt sie dann langsam. Ich lache. „Du meinst nicht Postbote?“
„Psst!“, macht sie nur und starrt an mir vorbei, um zu denken. Ihr Lippenstift von gestern Abend ist noch rosaleicht und das Parfum duftet entfernt.
„DonMädele: eilt Pechkäsen!“, sie lächelt: „Dein Sacktelephon – o lä(h)me es!“
Wir lachen. Sie nimmt die acht Tabletten in die Hand und legt sie sich einzeln auf die Zunge, schluckt und trinkt Tee.
Ich lege meine Hand vorsichtig auf ihre voller Leberflecken und streichle über ihre kleine Feuernarbe.
Jetzt sitze ich hier, warte auf den zweiten Anruf.
Ich verstehe einfach nicht, weshalb. Weshalb dieser Anruf, weshalb diese Fragen. Es, die große Tat, die ja jemand getan haben muss. Sie selbst kann es ja nicht gewesen sein, sagen sie. Aber was wissen sie schon.
Ich höre kurz meinen Worten in dem zu großen Haus hinterher wie sie die Treppen hinauf und hinab fallen, viel zu laut.
Nein, zu dramatisch, ich muss ruhig anfangen, ruhig bleiben, Ruhe bewahren.

Morgens die rosanen, Abends die eckigen. Immer ein kleines Spiel. Abzählreime, Wortgefechte und Würfelspiele. Am liebsten schluckt sie mit Anagrammen – je mehr sie findet, desto glücklicher ist sie. Ganze Sätze würfelt sie dabei durcheinander, darin ist sie unschlagbar. Aus einem „Eule auf Baum“ macht sie „Umbaufäule“, „Uf, lebe Umbau!“ und „Ume, baue faul!“.
Die Wohnung hallt seit vorhin. Ein bisschen klingt das immer nach Antwort, aber wer soll hier noch antworten?
Ich drehe die Tablettenbox in meiner Hand. „Pechkäse“, sage ich leise. Und das Zimmer spricht noch leiser mit.
Dieser Konzertabend bei meinen Eltern, wunderschön gemütlich und unglaublich langweilige Musik.
Ich sitze alleine an diesem Abend. Zusammen mit meinem Weinglas betrachte ich die Gäste, wie sie ihre Pirouetten drehen, hier eine Hand, da für eine Zigarettenlänge kleine Gespräche, alles dreht sich, immer und immer wieder im Kreis. Es könnte auch ein Abend für modernes Tanztheater sein, es wären die gleichen Szenen.
„Entschuldigung, junger Herr. Kann ich mir vielleicht Ihr Sitzkissen klauen?“, fragt es unvermittelt. Da ist wohl jemand nicht Teil der so lang geprobten Choreographie, denke ich und drehe den Kopf.
Sie lächelt mir entgegen, mit wachem Blick und einer weißen Wellenfrisur. Sie trägt orange, ein schönes Pfirsichorange, und passend dazu eine runde Brille.
„Ach, setzen Sie sich.“, sage ich einem Impuls folgend und stehe auf.
„Das ist aber nett.“ Sie setzt sich freudig überrascht und blickt mir ins Gesicht.
„Hab ich schon einmal ein Kissen von Ihnen geklaut?“
Ich betrachte sie und versuche mich zu erinnern. Mit ihrer Brille sieht sie ein bisschen aus wie ein Eule. Eine sehr gepflegte Eule.
„Nein, ich glaube nicht.“, antworte ich langsam.
„Wie schön.“ Sie lacht und reicht mir die Hand. Ich lächle zurück, leicht perplex, aber ihr Lachen ist ansteckend und ich bringe ihr ein Glas Wein durch die immer noch Tanzenden hindurch.
Sie hat mal gesagt, dass sie mir alles vermachen wolle, vor allem das weiße Haus. Ja wirklich, unser Haus, das mir immer noch antwortet, obwohl sie nicht da ist. Die hellen Wände mit ihren roten Wandteppichen blicken zu mir zurück. Nein, das sollte ich vermutlich nicht laut sagen, die Wände haben recht.
Sie, nach vorne, zur Windschutzscheibe: „Gib mir dein Handy, ich muss noch einen Anruf tätigen.“
Immer das Gleiche. „Kannst du nicht kurz warten?“
„Du kannst mir doch dein Handy geben. Da ist doch nichts dabei.“
Kurzer Blick weg von der Straße in ihr Gesicht. Sie, – in dunkelrotem Kleid und mit neuer Brille – guckt nicht zurück.
„Warum hast du denn nicht angerufen bevor wir los gefahren sind?“
Sie, immer noch zum Fenster: „Ach, da hatten wir doch kaum Zeit. Jetzt gib mir deins. Ich hab dir das immerhin gezahlt.“
Ich sage nichts, starre auf das Kennzeichen vor uns.
Sie, immer noch fordernd, aber leiser: „Bitte…? Jetzt?“

Ich gebe ihr das Handy. Mehr als das leise Bitte werde ich nie als Entschuldigung bekommen.
Sie benutzt diesen Satz immer, wenn ich nicht mache, was sie will. Und ich hasse ihn noch mehr als die Frage zu unserer Beziehung.
Das Handy liegt vor mir, neunzig Grad, der weiße Tisch lässt es noch schwärzer wirken und ich will nichts mit all dem hier zu tun haben. Wann wohl der zweite Anruf kommen wird?
Was soll ich erzählen? Dass sie die letzten Wochen noch kleiner als ein Halbmond war? Dass sie morgens so lange rief, bis ich ihr doch die Treppe runter half? Oder soll ich von dem Morgen erzählen, an dem ihr dann die Wörter fehlten, sie einfach verlassen hatten. An dem sie aus „Oh, wo bleibst du nur?“ nicht mehr „wo Lu bei Dunst bohr(t)“ machte, sondern mich schweigend anblickte, die Augen kurz vor Neumond, und wortlos die Tablettenschachtel nahm, ganz ohne jedes Anagramm.

Ich habe Angst.
Das Haus atmet und spricht in deiner Stimme. Die Treppe knarzt und oben scheinst du noch auf und ab zu gehen. Ich will nicht derjenige sein, der schuld ist. Wer weiß schon, ob es zu viele oder zu wenige Pillen waren? Anagramme hast du schon lange nicht mehr gefunden.
Die Wände starren mich an und das Handy schweigt vorwurfsvoll.
Ab jetzt bist du weg.

Creative Commons Lizenzvertrag

eMMa

Kurzgeschichte

Die Bäckerei, vor der ich stehe, ist klein, hellgrün und in ihr windet sich die Schlange durch die wenigen speckigen Holztische, durch die Glastür und vor dem Geschäft um eine Ecke. Von oben sehen wir wohl aus wie eine Kreuzotter, die sich ihren Weg durch ein Labyrinth sucht, denke ich, eine Kreuzotter und ich bin nur ein kleiner Punkt auf ihrer Haut, die sie bald abwerfen wird.
Ich mag es, zu warten, denn dabei verwandele ich mich von diesem kleinen schwarzen Punkt zu einem Chamäleon, das hier und da den Gesprächen lauscht, die Gedanken anderer mitdenkt und unsichtbar wird zwischen ihnen.
Hinter der Glasscheibe erkenne ich den alten Mann mit seiner Zeitung von gestern und seinem halben Croissant. Schon letzte Woche saß er an dem Tisch vorm Fenster. Ich beobachte die Katze, die sich normalerweise auf den Motorhauben der geparkten Autos wärmt, aber heute die Menschen, die vor der Tür anstehen, misstrauisch beäugt. Hinter mir diskutiert jemand über Blues und vor mir über den Dozenten, der ständig an seiner Brille kaut, wenn er nachdenkt – also immer – und ich merke, wie ich anfange mich einzublenden, Chamäleonfarben annehme, als mich ein Lichtreflex wieder aus der Starre holt.
Es sieht aus wie die Spiegelung der orangen Katze, aber als ich mein linkes Auge zusammenkneife, wird die Katze zu Haaren. Haare?, denke ich kurz verdutzt, und dann gewöhnen sich meine Augen an den Blick durch die Glasscheibe und ich erkenne ein Mädchen.
Ihre rottanzenden Haare sind es, die aus der Schlange hervorleuchten. Das Mädchen ist groß, größer als der Mann hinter ihr mit seinem gelben Pullunder. Und sie tritt nervös von einem großen Fuß auf den anderen, zupft an ihrem T-Shirt herum und blickt sich immer wieder um. Platzangst, denke ich im ersten Moment. Aber das passt irgendwie nicht. Vielleicht ist sie eine von denen, die Warten nicht ausstehen können? Vielleicht kann sie einfach nicht stillstehen?
Wir sitzen in einer Wohnung mit grüner Tür an einem speckigen Holztisch, in den sich Holzwürmer verkrochen haben. „Meine Liebe,“ sage ich über die Erdbeeren mit Milch hinweg und sie lächelt ein dreiviertel Lächeln, ein bisschen schräg und auf keinen Fall ein ganzes Lächeln, sitzt halb auf der Stuhlkante und halb in der Luft. Dass sie nicht runterfällt, wundere ich mich plötzlich, nicke aber zu ihrer stillen Frage und gucke ihr beim Verschwinden hinterher, freue mich, dass sie unterwegs ist und irgendwo zu sein hat, während ich meine Milch mit aufgegessenen Erdbeeren trinke.
Sie sitzt auf dem Fensterbrett mit grünem Rahmen und malt mit schnellen, weiten Strichen auf Papier. Ihre Hände sind schon schwarz und ein paar Punkte haben sich auf ihr Gesicht verirrt. Ihr rotes Haar steht wirr ab, ihr grüner Blick rennt den Pinselschwüngen hinterher. Sie sieht schön aus in dem bunten Licht mit ihren leuchtenden Haaren und mit dieser Ruhe.
Ich sitze ihr gegenüber und bewundere ihre spitze Nase und die Haare, die immer noch ein wenig nach einer Katzenspiegelung aussehen. Der Moment ist fast ein Bild, vielleicht von Rembrandt, schnelle Pinselstriche und trotzdem ruhig.
„Sind wir bald da?“, fragt sie auf dem Weg zu einer Party und ich blicke ihr hinterher wie sie vor mir verschwindet.
„Wir sind zu früh.“, sage ich langsam, aber sie hört nicht. Ich will mich nicht hetzen lassen, will den Moment genießen, bleibe vor einem Schaufenster voller Bücher, die Neuerscheinungen dieses Monats, betrachte, wie sie farblich sortiert zu einer Pyramide aufgestellt sind, verliere mich in dem Bild, und finde mich auf der Spitze der Pyramide wieder wie ich mich bereit mache, auf ihr herunter zu rutschen.
„Emma!“, rufe ich und drehe mich in ihre Richtung, aber sie ist weg und sie antwortet mit einem „Komm doch!“ zwei Straßen weiter, sie wartet nicht.
(Sie will so schnell wie möglich da sein, wo auch immer)
Ich bleibe noch einen Moment vor dem Schaufenster stehen, blicke auf die Buchrücken und erkenne einen meiner alten Freunde, der sich irgendwie zwischen all die neuen Bücher geschlichen hat.
„Sofern sie Emma hießen…“, sage ich leise zu den Buchdeckeln, vielleicht verstehen sie mich ja. Vermutlich wissen sie mehr über Emmas als ich.
Ich wende mich ab und folge mit einem leisen Seufzen Emma, die schon lange um zwei Ecken verschwunden ist.
„Emma“, sage ich und sie blickt auf, sucht aber mit ihren Händen weiter hektisch nach Schlüssel oder Handy oder was auch immer sie sucht.
„Emma“, sage ich, „Wir haben noch Zeit. Lass uns doch einen Tee trinken.“
Sie schüttelt nur den Kopf und richtet ihren grünen Blick wieder auf die Kommode. „Wir sollten pünktlich sein, man weiß ja nie.“
„Aber Emma…“, setze ich an, sie aber hebt ihre Sonnenbrille hoch und sagt: „Ich hab sie, wir können los!“
Sie ist nie da.
(Bald da sein, heißt nur, nirgendwo jetzt zu sein.)
„Emma“, sage ich, „Emma, weißt du, dass du bei Morgenstern eine Möwe bist?“
Und sie blickt zu mir, während sie sich schminkt.
„Eine Möwe? Findest du?“
Ich betrachte sie, diesen dünnen Menschen, der immer rennt, mit seinen wilden roten Haaren und diesem selten eingefangenen, so grünen Blick. Sie lächelt nie ganz, nur dreiviertel, aber in ihren Bewegungen liegt trotz der Ruhe unserer Wohnung eine Ungeduld, die selbst die Schminke nicht verbergen kann. Ich schüttele den Kopf.
Sie lacht und verschwindet mit einem Augenaufschlag durch unsere Tür mit der abblätternden grünen Farbe und ein paar Flecken fallen auf den Boden als sie zuschlägt, fast wie der Regen unter Tannenbäumen. Ich betrachte Emmas Abwesenheit in dem Raum und die grünen Schuppen auf der Fußmatte.
„Nein, du bist keine Möwe“, sage ich in die Leere der Wohnung und die Wohnung hört zu. „Dich gibt es so nicht bei Morgenstern.“
Wir laufen eine gepflasterte, sich wellende Straße entlang. Ich suche irgendein Museum oder eine Galerie, von der ich zuvor gelesen habe, bin euphorisiert vom Pulsschlag der Stadt und ihren grellen Farben und freue mich über jeden Grashalm.
Emma geht vor mir, obwohl sie nicht weiß, wohin ich will, läuft in falsche Straßen und um falsche Ecken. Ich versuche, mich nicht aufzuregen, warum rennt sie nur weg, ich habe doch eine Karte dabei, klein, besser als nichts, aber so wirklich gelingt es mir nicht, denn ihr stummes „Sind wir bald da?“ dröhnt in meinem Hinterkopf als säße es in meinem Ohr.
Ich sage nichts, sie sagt ja auch nichts, aber als ich das Museum dann endlich finde, hat sie nach paar Minuten alles gesehen und wartet ungeduldig im Café.
Ich bleibe lange bei den Bildern von diesem Amerikaner stehen, Rosen, betrachte sie mit Emmas Ungeduld, die ich nicht abschütteln kann, und ärgere mich.
„Emma,“ flüstere ich dem Rosenzyklus zu, „Emma ist schuld.“
Aber die Rosen aus Amerika schweigen und Emma schweigt auch.
In der Bibliothek mit den zu großen Tischen und dem braunen Teppich, in der man sich nicht einmal traut zu husten, weil alles so leise und trocken ist und man fast an der Stille ersticken kann, lese ich in einem Gedicht von der „Koexistenz des Widersprüchlichen“ und denke sofort an uns, Emma.
(Das ist unser Problem.)
Und die Frage, ob wir bald da sind, so oft du sie auch stellst, könnte ich dir erst beantworten, wenn ich dieses Meer sehe. Aber Emma, dahin wirst du mit mir nie gehen, denn du wirst vorher um eine andere Ecke biegen, Morgenstern nicht sehen und nicht warten, ich kenne dich, du wirst wegrennen, nur um anzukommen, egal wo, aber nicht am Meer, nicht mit mir, nicht bei mir.
Und du bist einfach nicht aus Morgenstern, eMMa, so sehr ich mir das wünsche. Dort wirst du nie sein. Du wirst immer eine anwesende Abwesenheit bleiben.
Und du bist keine Emma wie sie in Büchern steht. Du bist eine eMMa und nie da.
„Bitte?!“
„Was?“ Ich schrecke auf.
„Was Sie wollen?“, fragt der Verkäufer mit der Pastellschürze.
„Ich,“, das Chamäleon löst sich auf, „Ein Croissant bitte. Und ein Pain au Chocolat.“ Und das eine Auge sieht das Mädchen plötzlich wieder, meine Emma für ein paar Minuten, wie sie bezahlt, ihre Tüte nimmt und aus dem Café hastet.

Creative Commons Lizenzvertrag

Schall und Rauch

1 Zigarettenlänge Philosophie

„Rauchst du eigentlich, Kleiner?“
Die wiegst den Kopf, manchmal, willst du sagen, eher selten, das Zigarettenmädchen winkt schon mit einer tätowierten Hand ab.
„Besser so. Das sagen ja alle immer. Aber wenn du mich fragst, ist es für dich wirklich das beste. Das muss ja auch zu einem passen. Oder andersrum, man selbst zum Rauchen.“ Sie kichert leise und ein bisschen tief. „Oder man ist eben eh schon Schall und Rauch.“

Creative Commons Lizenzvertrag

Mondmann

1 Zigarettenlänge Philosophie, Gedankencrushs

„Früher habe ich immer an den Mann im Mond geglaubt, so wie er vor den Filmen immer in der Sichel hängt. So ein kleiner blauer Junge mit Latzhose.“
Sie fährt sich durch die Haare. Ihr Lippenstift ist leicht verschmiert und du wunderst dich über das Weshalb.
„Heute weiß ich natürlich, dass da niemand im Mond angelt. Aber das Bild gefällt mir, verstehst du, das Bild.
Dass da jemand irgendwo sitzt, so ganz in Weiß, vielleicht ist es ja auch ein alter Mann, und der angelt vor sich hin, so im Nichts, da ist nichtmal Wasser in der Nähe, er angelt einfach und erwartet gar nicht erst, dass irgendjemand anbeißt. Der ist einfach zufrieden damit, dass er nichts fängt.“
Sie fischt nach einem Eiswürfel in ihrem halb leeren Glas.
„Das würde uns mal gut tun, weißt du, einfach mal nach Nichts angeln. Das würde uns allen mal gut tun.“
Sie gibt auf, die Eiswürfel sind zu schnell. Und du lächelst darüber, denkst an deinen Opa mit dem langen weißen Bart und wie er immer nach seinem Teebeutel geangelt hat.
„Vor allem dem Typen da drüben täte das mal gut.“, sagt sie und deutet mit dem rosa Strohhalm auf den Typen mit Samuraizopf und das Mädchen, das sich von ihm befaseln lässt.
„Nach Nichts angeln.“

Creative Commons Lizenzvertrag

Eine Zigarettenlänge Philosophie

1 Zigarettenlänge Philosophie, Gedankencrushs

„Wusstest du, dass der Mond vor der Erde flieht?
Alle sagen ja immer, bis zum Mond und zurück, Liebe undsoweiter, aber sie wissen nicht, dass der Mond sich immer weiter von der Erde entfernt. Und ihr kitschiges Liebesgeständnis wird mit jedem Mal also stärker, mit jedem Mal ist der Mond noch weiter weg, liebt man noch mehr.
Das sollte man wissen.“, betont das Zigarettenmädchen und lässt ihre Zigarettenspitze über dem Glas abtropfen.
„Wieviel?“, fragst du.
„Mhm?“ Sie blickt dich leicht überrascht an. Was du hier noch machst, ob du vorher auch schon da warst, fragt ihr Blick.
„Wieviel?“, wiederholst du.
„3 Zentimeter. Pro Jahr. Das sind bei 50 Jahren Ehe dann immerhin ein Meter fünzig. Das ist so viel wie einst der 12-jährige Sohn.“
Sie hustet.
„Ich glaube, der Mond hat da keinen Bock mehr drauf. Dem ist das alles ziemlich egal. Liebe ist für den genauso wichtig wie Vanillepudding. Nämlich komplett uninteressant. So ist das. Der rennt einfach nur weg. Und Recht hat er.“

Creative Commons Lizenzvertrag

Selbstgespräch mit Chamäleon

Gedicht

Das hier ist eine lose Fortsetzung zu Schafwolken, das vermutlich in Bälde in einer Zeitschrift zu dem Thema „zusammenleben“ erscheinen. Euch aber nun schon vorab;

 

SELBSTGESPRÄCH MIT CHAMÄLEON

Afrika? frage ich und starre (stumm)
und du sagst Afrika! und nickst.
Ich starre und du nickst (immer noch).
Aber was willst du da? sage ich
Abenteuer. sagst du ohne ein Blinzeln
Abenteuer und Leben und wilde Tiere.
und ich sage nicht, dass sich hier jedes Wort am anderen stößt,
sondern nicke Afrika also.
Ja, Afrika. sagst du und trinkst und isst
und ich blicke dir hinterher
wie du für kurz verschwindest
und mehr als weit weg bist
Aber Afrika ist gefährlich. murmele ich
und dein Blick kommt zu mir zurück
wie ein Bumerang
Ich weiß. Du bist leise geworden
Aber es ist mein Traum. Schon immer.
Ich nicke, betrachte die Wolken über uns,
zähle Schafe und fühle mich zu liebend.
Pass auch dich auf
in Afrika.

10. Juni 2015

 

Creative Commons Lizenzvertrag
Dieses Werk von Sophie Stroux ist lizenziert unter einer Creative Commons Namensnennung – Nicht kommerziell – Keine Bearbeitungen 4.0 International Lizenz.

Sommerschnee

Gedicht

SOMMERSCHNEE

Und als ich in die Natur trat,
war der Boden gelb
wie Dotter.
Die Bäume deckte ein weißer
Sommerschnee zu
und meine Hand streifte verstohlen
ihr neues Gefieder.

An diesem Morgen
krähte der Wald
wie ein weißer Rabe
und blickte sich
mit blitzenden Augen
nach mehr um.

8.Mai

Creative Commons Lizenzvertrag
Dieses Werk von Sophie Stroux ist lizenziert unter einer Creative Commons Namensnennung – Nicht kommerziell – Keine Bearbeitungen 4.0 International Lizenz.

Wahrheit und Dichtung

Gedicht

Wahrheit und Dichtung

Dichtende Wahrheit
sitzt am Straßenrand
und flüstert dir
etwas von Weltuntergang.

Wahre Dichtung
steht in Holzregalen
und flüstert von blauen Blumen
zu blauen Blumen
und zurück.

Dieses Gedicht ist ab jetzt auch auf der Startseite meines umgestalteten Blogs zu finden. Guckt euch doch mal philosworte mit neuem Look an!

 

Creative Commons Lizenzvertrag
Dieses Werk von Sophie Stroux ist lizenziert unter einer Creative Commons Namensnennung – Nicht kommerziell – Keine Bearbeitungen 4.0 International Lizenz.

Trotzdem! Festival 2015

Meldung

Liebe Alle,

Am 1.Mai lese ich ganz offiziell meine Texte vor und das für fast eine Stunde.
Ich trete beim Trotzdem! Festival 2015 in der Glockenbachwerkstatt in München auf und jeder, der mich gerne einmal lesen hören will oder generell einfach subkulturelle Kulturfestivals mag, ist herzlich eingeladen, zu kommen!

Hier ist der Facebooklink und ich freue mich schon auf einen schönen Freitag nächste Woche.

(Psst, Herr Hund reist an dem Abend ganz sicher weiter)

Herr Hund und wie Luiz ihn kennen lernte

Kurzgeschichte

Hier nun also die Geschichte, die ich dem verehrten Herr Hund versprochen habe. Bzw., so ganz ist sie es nicht. Es ist nur das erste Kapitel.
Und jetzt viel Vergnügen bei eurer ersten Begegnung mit Herrn Hund, Luiz und dem Chamäleon.

Luiz lebte in einem grauen Haus in einer kleinen Straße in einem kleinen Ort, der ein Vorort zu einer immer noch kleinen Stadt war. Er hatte keine Geschwister und keinen Hund, nur ein Chamäleon, das sich aber nur wenig bewegte und mit dem er nicht spielen konnte. Manchmal las er Konrad, dem kleinen Chamäleon, Geschichten vor, aber spielen, das konnte Konrad wirklich nicht. Dazu fehlten ihm allein schon die Finger. Wenn Luiz Eltern also arbeiteten und er aus der Schule zurück war, saß er in dem weiten Garten in der Hängematte und beobachtete die Pflanzen und Tiere oder dachte sich Geschichten aus, in denen er nicht in einem zu kleinen Vorort ohne spannende Abenteuer lebte.
An manchen Tagen fuhr er mit dem Fahrrad durch die Straßen des Ortes, um seine beste Freundin zu besuchen. Sie wohnte fast eine viertel Stunde entfernt, aber Mayas Mutter war sehr nett und Maya hatte ein Kaninchen, das Torsten hieß und kleine graue Flecken hatte. Maya selbst hatte rote Haare und zwei Zöpfe und Luiz kannte sie schon seit dem Kindergarten.

Eines Tages traf er auf dem Weg zurück nach Hause Herr Hund.
Es war ein dünner Mann mit weißen Haaren und weitem Mantel, der da plötzlich auf der Straße vor Luiz Haus stand und so gar nicht aussah wie ein Hund. Aber als dieser Herr ihm zunickte und mit einem kleinen Lachen in den Mundwinkeln sagte, dass er ab heute hier wohne, ja heute einziehen würde, stellte er sich mit Herr Hund vor. Und man konnte ihn ja schlecht einfach anders nennen, nur weil er nicht wie ein Hund aussah.
Er hatte weiße struppige Augenbrauen und ein lachendes Gesicht mit weißem Bart, den er manchmal zwirbelte. Zu den weißen Haaren trug er meistens Schwarz, schwarze Pullover und schwarze Hosen und alte braune Lederschuhe. Nur im Sommer tauschte er das Schwarz gegen eine blaue kurze Hose ein und machte einen auf Matrose, weil er früher mal auf einem Schiff gelebt hatte.

Herr Hund zog tatsächlich in den nächsten Tagen ein und holte alte Möbel und angestaubte Stehlampen in sein neues Haus. Von da an wehte an Winterabenden Musik über den Schnee und im Sommer flatterten Bücher in dem Wind, den er immer in sein Haus ließ.
Er winkte Luiz, wenn dieser von der Schule kam und lachte dabei immer. Luiz fand, er sah nach einer Windhose oder etwas anderem Windigen aus, so wie seine weißen Haare immer nach hinten abstanden. Ganz so als wäre bei Herr Hund immer Wind. Luiz fand auch, dass Herr Hund nicht in den Ort passte. Er war zu nett.

Herr Hund besaß keinen Hund, er mochte nicht einmal Hunde wie Luiz später herausfand. Er wohnte in einem zu großen Haus, wie er immer sagte, denn obwohl er sehr groß war, war sein Haus noch größer als er und er lebte alleine, ohne eine noch größere Frau, für die das Haus hätte passen können. Seit er eingezogen war, war es hellblau und hatte einen kleinen gepflegten Garten, denn, so hatte er gescherzt, wie alle Hunde, mochte er natürlich Grünzeug. Dann hatte er allerdings über die verdammten Köter nebenan geschimpft. Vielleicht war das also nicht ernst gemeint gewesen.
Herr Hund hatte außer einem hellblauen Haus auch noch ein Auto, das grau war, regenhimmelgrau, genauso wie sein T-Shirt zu der Sommerhose, aber er benutzte es nie. Nur Sonntags putzte er es immer, sorgfältig und fast liebevoll, aber nur, wenn er glaubte, dass ihn niemand sah. Wenn zufällig jemand vorbeikam, schrubbte er so aggressiv, dass die Felgen quietschten. Vielleicht war das Auto zu alt, oder Herr Hund zu alt für das Auto – jedenfalls bewegte er es nie.

Luiz mochte die Nachmittage, an denen Herr Hund sich über den Zaun zur Straße lehnte und ihn fragte, wie es in der Schule denn so lief und ihm von einer seiner Reisen erzählte. Seine Reisen waren zwar alle schon lange her, aber sie klangen farbenfroh und laut und spannend und erzählten von Hitze, Sonne und Sand. Manchmal kam Herr Hund auch zu ihm in den Garten und sie spielten Karten oder tranken Tee zusammen.
An einem Sonntag zu Beginn des Sommers lehnte Luiz sich dann über Herr Hunds Zaun und nicht Herr Hund sich über seinen eigenen Zaun. Denn Luiz hatte etwas entdeckt, dass ihn erstaunte; Das Regenhimmelauto war weg. Er suchte den kleinen Garten des Hauses mit den Augen ab, nur um sicher zu gehen, aber da war nichts, nur das beißende Frühlingsgrün des Grases und die herein wuchernden Blätter des nebenstehenden Waldes. Vorsichtig lehnte er sein Fahrrad an den blauen Zaun, nicht, dass er die Farbe beschädigte, Herr Hund hatte sehr lange an dem Zaun gearbeitet bis er das perfekte Blau trug. Dann drückte er von außen die Klinke des Gartentors und trat ein.
Ein bisschen unangenehm war ihm schon, so ohne Herr Hund dessen Haus zu betreten, aber genau genommen war es ja nur sein Garten und nicht sein Haus und außerdem hatte er ja einen triftigen Grund – das Auto war entlaufen.
Die Garage stand sogar noch offen, so als hätte es das Auto vergessen seine Spuren richtig zu verwischen.
Luiz sah sich kurz darin um. Die Farbe war auch hier noch leuchtend, blendend weiß und eine blaue Tür führte wohl weiter in das Haus. An der Wand lehnte ein altes Rennrad mit Ledersattel und am Ende stapelten sich halbvolle Farbeimer auf einer untergelegten Plastikfolie. Das Auto jedoch, das war weg.
Er ging zur Tür, um zu klingeln und Herr Hund zu informieren, dass er sein Auto wohl einmal zu fest geputzt hatte und es jetzt weggelaufen war, an der Haustür jedoch entdeckte er einen Fetzen Papier.
Es war der Wirtschaftsteil der Zeitung von vergangener Woche, mit einem Stück Klebeband an der Tür befestigt und mit einer schwungvollen Schrift verziert, die jedoch so schwungvoll war, dass Luiz nichts entziffern konnte. Am Ende stand etwas, dass Hund heißen könnte, vermutlich seine Unterschrift.
Luiz starrte den Zettel an. Er kratzte sich am Bein. Blickte an der Wand hoch. Oben waren die Fenster geschlossen. Er klingelte einmal, wartete. Blickte noch einmal die Straße auf und ab, dann ging er zu seinem Fahrrad, schloss die Gartentür und fuhr die letzten paar Meter nach Hause.
Nachts träumte er von einem himmelblauen Hund, der mit einem Auto durch die Luft flog und über dem Meer beschloss, dass es im Wasser viel schöner war und dann abtauchte. Luiz wachte mit einem Luftschnappen auf.

 

 

Creative Commons Lizenzvertrag
Dieses Werk von Sophie Stroux ist lizenziert unter einer Creative Commons Namensnennung – Nicht kommerziell – Keine Bearbeitungen 4.0 International Lizenz.

Trommelwirbel

Gedicht

Im Wald
hörte man heute die Spechte
Trommelwirbel hacken
und die weißen Bäume
waren halbgefroren.

Ich fragte mich,
wie wohl die Schnäbel
der Spechte danach aussahen.

Die Trommelwirbel
schienen dramatisch
vor etwas zu warnen
und ich schüttelte belächelnd
den Kopf.

Später sah ich,
was mir die Spechte hatten sagen wollen;
Die vollschlanke Frau
joggte ohne BH

Creative Commons Lizenzvertrag
Dieses Werk von Sophie Stroux ist lizenziert unter einer Creative Commons Namensnennung – Nicht kommerziell – Keine Bearbeitungen 4.0 International Lizenz.

Autorenedition Sarabande

Meldung

Frohe Weihnachten an alle meine lieben Leser!

Und passend dazu noch ein kleines Geschenk;
Seit dem 23. kann man „unter Milchhimmeln“ auch bei der wundervollen autorenedition sarabande finde, die ihr – auch ohne meinen Text schon wieder lesen zu wollen – unbedingt besuchen solltet.
Sie ist ein Zusammenschluss von vielen sehr guten Autoren, von denen mehrere mich in meinem Schreiben bestärkt und mir oft weitergeholfen haben.

In diesem Sinne – fröhliche Weihnachtsfeiertage!

Schafwolken

Gedankencrushs

Warum das Wetter so plötzlich gut geworden ist, wunderst du dich laut. Fast wie Sommer, sagst du und meinst, dass ich dich wirklich öfter in den Arm nehmen sollte.
Aber wir lieben nur fragmentarisch. Und dazwischen reden wir über das Wetter.
Wie ein Schaf, sagst du und meinst nicht die große Wolke über den kleinen Bergspitzen in der Ferne, sondern mich.
Und ich, ich nicke und kaue meinen Salat.
Ein bisschen wässrig, sage ich und zeige auf meinen Teller und du nickst und sagst, ja wirklich, wie ein Schaf, und legst den Kopf kurz auf meine Schulter, ganz leicht, und deine Haare riechen wie immer, so weich, aber die Wolken sieht man so auch nicht besser.
Ein Schaf, sage ich, kaue und schlucke, jetzt sehe ich es auch.
Ich spüre dein Nicken.
Dann stehe ich auf und bringe mein Geschirr in die kalte Küche.
Wir lieben uns nur fragmentarisch.
Wenn es der richtige Moment ist, sind wir unheimlich verliebt.
Dazwischen reden wir über Wolkenkonstallationen und zählen Schafe.

UND;
Vielen vielen Dank! Über 100 Menschen lesen meine Texte! Und ich könnte nicht glücklicher darüber sein!
Gegrüßt seien alle, die noch nicht so lange dabei sind und vielen lieben Dank an alle jene, die seit Beginn eifrig meine Schreibereien lesen.
Was für ein schöner Dezemberanfang!

Creative Commons Lizenzvertrag
Dieses Werk von Sophie Stroux ist lizenziert unter einer Creative Commons Namensnennung – Nicht kommerziell – Keine Bearbeitungen 4.0 International Lizenz.