und du mittendrin

Gedicht

Schau doch
wie dreckig alles ist.
Als wären die Wände Magneten
und du

unmagnetisch

zwischendrin

zwischen zwei Wänden
so sauber
man könnte auch sagen

deplaziert

Aber das hieße ja
dass du überhaupt einen Platz hast
oder hattest

Und da
bist du dir nicht so sicher

Die Wände
sie
stoßen dich ab

 

Selbstgespräch mit Chamäleon

Gedicht

Das hier ist eine lose Fortsetzung zu Schafwolken, das vermutlich in Bälde in einer Zeitschrift zu dem Thema „zusammenleben“ erscheinen. Euch aber nun schon vorab;

 

SELBSTGESPRÄCH MIT CHAMÄLEON

Afrika? frage ich und starre (stumm)
und du sagst Afrika! und nickst.
Ich starre und du nickst (immer noch).
Aber was willst du da? sage ich
Abenteuer. sagst du ohne ein Blinzeln
Abenteuer und Leben und wilde Tiere.
und ich sage nicht, dass sich hier jedes Wort am anderen stößt,
sondern nicke Afrika also.
Ja, Afrika. sagst du und trinkst und isst
und ich blicke dir hinterher
wie du für kurz verschwindest
und mehr als weit weg bist
Aber Afrika ist gefährlich. murmele ich
und dein Blick kommt zu mir zurück
wie ein Bumerang
Ich weiß. Du bist leise geworden
Aber es ist mein Traum. Schon immer.
Ich nicke, betrachte die Wolken über uns,
zähle Schafe und fühle mich zu liebend.
Pass auch dich auf
in Afrika.

10. Juni 2015

 

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Sommerschnee

Gedicht

SOMMERSCHNEE

Und als ich in die Natur trat,
war der Boden gelb
wie Dotter.
Die Bäume deckte ein weißer
Sommerschnee zu
und meine Hand streifte verstohlen
ihr neues Gefieder.

An diesem Morgen
krähte der Wald
wie ein weißer Rabe
und blickte sich
mit blitzenden Augen
nach mehr um.

8.Mai

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Wahrheit und Dichtung

Gedicht

Wahrheit und Dichtung

Dichtende Wahrheit
sitzt am Straßenrand
und flüstert dir
etwas von Weltuntergang.

Wahre Dichtung
steht in Holzregalen
und flüstert von blauen Blumen
zu blauen Blumen
und zurück.

Dieses Gedicht ist ab jetzt auch auf der Startseite meines umgestalteten Blogs zu finden. Guckt euch doch mal philosworte mit neuem Look an!

 

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Trommelwirbel

Gedicht

Im Wald
hörte man heute die Spechte
Trommelwirbel hacken
und die weißen Bäume
waren halbgefroren.

Ich fragte mich,
wie wohl die Schnäbel
der Spechte danach aussahen.

Die Trommelwirbel
schienen dramatisch
vor etwas zu warnen
und ich schüttelte belächelnd
den Kopf.

Später sah ich,
was mir die Spechte hatten sagen wollen;
Die vollschlanke Frau
joggte ohne BH

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sie hat von dir geträumt

Gedicht

Hiermit einen herzlich gemütlichen zweiten Advent. Vermisst außer mir noch jemand den Schnee?

sie hat von dir geträumt.
im traum standst du in sommerkleidern, ganz weiß, ein taschentuch in der hand, die haare zerfahren, weit entfernt, in einem wasserfall, gischt unter dir, ein grüner ballon zog an dir vorbei. du hast nicht aufgeblickt.
sie hat von dir geträumt.
du standest da in ihrem traum, mit weißem taschentuch, das nicht nass wurde, immer weiß blieb. hinter dir waberte das durchsichtige grün des wassers, aber du bliebst weiß.
sie hat von dir geträumt.
sie selbst, sie war nur halb, ihr weinen, ihr schreien, halb meterweit entfernt, in halbierten Tränen, in tiefem grün nur halb, war doch nicht da, nicht gehört, nicht gesehen, nicht weiß, nicht ganz, nur halb.
nur du warst ganz da im wasserfall, hast das tuch, dein weißes tuch, betrachtet, dir durch die haare gefahren und all das, all das Wasser, das weiß, all das fehlen und ganz-sein nicht bemerkt.
warum hast du nichts bemerkt?
als der ballon zum zweiten mal vorbeiflog, sie nicht da war und du im wasser standest, als er flog, der grüne ballon, verschluckte ihn der wasserfall. dein taschentuch wurde nass. und sie war wach.

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Vielleicht

Gedicht

Vielleicht

du fehlst, du weißt es,
und bleibst trotzdem nur
Erinnerungsschnee

mein Gedankenlaub
ist vielleicht zu groß
um zu vergessen

ist vielleicht zu weit
um zu verdrängen
dass wir uns fehlen

vielleicht bist du Schnee
auch nur zu neu
um zu verschwinden

oder du bist doch
mehr als irgendein
Erinnerungsschnee

vielleicht bist du so
inmitten des Laubs
kleiner Schneeigel

vielleicht bist du so
und einfach richtig
einfach richtig da.

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Vermissen

Gedicht

Vermissen

wie am Meer sitzen
ins Dunkel starren
leuchtende Fische sehen
und nichts fühlen

wie im Zirkus sitzen
den Clown betrachten
seine Grimasse sehen
und nichts fühlen

wie im Wald sitzen
die Blumen zu zählen
schillernde Libellen sehen
und nichts fühlen

wie einen Gipfel erklimmen
dem Wind trotzen
das Meer zähmen
und nichts fühlen

Sich so zu fühlen
als würde man einem Weg folgen
– endlos lang und gerade –
und wissen,
dass das Ziel
hinter einem liegt.

So vermisse ich dich.

Lieblingsorte

Gedicht

Heute eine kleine Schreibübung in Gedichtform;

Das ist
weiß-blau
mit Muscheln auf Augenhöhe
und Weiß an den Füßen

Das ist
gemütlich warm
so morgens um 7
statt ekligem Kaffee

Das ist
wie ein chinesisches Wellnessbad
zum träumen
von Badewölfen
von Glühwürmchen
von einem anderen Morgen

Das ist
mit Kissen und Decke
fast wie mein Bett

und ohne Kissen
meine Dusche
morgens um 7

SeptemberSpiel

Gedicht

SeptemberSpiel

Es war September, fast noch Sommer.
Ich spielte Steppenwolf
und er den Verständnislosen.
Wir trieben zusammen
auf dem hohlen Baum
im grünen Fluss.
Zusammen allein, dachte ich.

Er war dann doch zu anders
und ich zu steppenwolfig.
Vielleicht war es der falsche Sommer,
der falsche September.

Am Ende war er dann weg
und ich saß – einsam (so weit ich weiß) –
auf dem hohlen Baum
und trieb davon.

 

Wuihu, diesmal ein Gedicht aus eigener Feder. Ertragbar?

23.Türchen: Traum

Adventskalender 2012, Gedicht

So kurz vor Weihnachten noch ein letztes kurzes Gedicht. Einen wunderschönen 4. Advent, ihr Lieben… wo bleibt bloß der Schnee?

 

Emmy Hennings
(1922)
Traum

Ich bin so vielfach in den Nächten.
Ich steige aus den dunklen Schächten.
Wie bunt entfaltet sich mein Anderssein

So selbstverloren in dem Grunde,
Nachtwache ich, bin Traumesrunde
Und Wunder aus dem Heiligenschrein.

Und öffnen sich mir alle Pforten,
Bin ich nicht da, bin ich nicht dorten?
Bin ich entstiegen einem Märchenbuch?

Vielleicht geht mein Gedicht in ferne Weiten,
Vielleicht verwehen meine Vielfachheiten,
Ein einsam flatternd, blasses Fahnentuch…

 

18.Türchen: Korruption der Natur

Adventskalender 2012, Gedicht

Ann Cotton
(2008)
Korruption der Natur

Kaulquappe, peitsch mich, komm, das kannst du
wenn du dich ein bisschen zusammenreißt, kannst du
das sehr schön. Es liegt in deiner Natur. Ich liege doch da,
weiß, im gefriernahen Alpenwasser, nackt,
zitternd, geheime Gänsehaut, komm, mach es einfach, schlag zu.
Mir ist egal, ob du später Mönch wirst
oder ein Forscher, ein Moloch, oder einen verdammten
Unkenruf kriegst. Jetzt bist du das hier und,
Gott, ich bitte dich, schlag mich, du Quappe

 

Die Gedichte nehmen gerade etwas überhand, aber das hier ist einfach zu gut, um es euch vorenthalten… ihr Quappen!

15.Türchen: Die neuen Fernen

Adventskalender 2012, Gedicht

 

Joachim Ringelnatz
(1931)
Die neuen Fernen

In der Stratosphäre,
Links vom Eingang, führt ein Gang
(wenn er nicht verschüttet werde)
Sieben Kilometer lang
bis ins Ungefähre.

Dort erkennt man weit und breit
Nichts. Denn dort herrscht Dunkelheit.
Wenn man da die Augen schließt
und sich langsam selbst erschießt,

Dann erinnert man sich gern
An den deutschen Abendstern.

 

Wuihuu morgen gehts auf nach Garmisch zum Boarden! Waahhh! Endlich!

4.Türchen: Abenteuer mt Dichtung

Adventskalender 2012, Gedicht

Jürgen Theobaldy
(1972/73)
Abenteuer mit Dichtung

Als ich Goethe ermunterte einzusteigen
war er sofort dabei
Während wir fuhren
wollte er alles ganz genau wissen
ich ließ ihn Gas geben
und er brüllte: „Ins Freie!“
und trommelte auf das Amaturenbrett
Ich drehte das Radio voll auf
er langte vorn herum
brach den Scheibenwischer ab
und dann rasten wir durch das Dorf
über den Steg und in den Acker
wo wir uns lachend und schreiend
aus der Karre wälzten

Heute leider kein eigenes Textwerk, dafür morgen wieder. Jeden Tag dasselbe wäre ja auch langweilig…

Gedicht für Mio und die Glühwürmchen

Gedicht

Mio, die Glühwürmchen verschwinden.
Sie verschwinden, ohne dass man es bemerkt und dann sind sie eines Tages weg, einfach weg.
Ein paar wenige schweben noch über dem nassen Sandkasten.
Ansonsten ist es trostlos. So ohne dich.
Und ich fühle mich einsam und allein. die Schaukel quietscht und irgendwo bellt ein Hund.
Ich wüsste gerne, wie es passiert ist.
Bist du einfach so aufgewacht und aus der Wohnung gegangen? Hast deine Jacke von unserem Sofa genommen, dem weiß roten, und hast beschlossen zu verschwinden?
Aber so geht das doch nicht Mio, so was macht man nicht. So ohne Abschied.

Mio, vielleicht bist du mit den Glühwürmchen verschwunden. Vielleicht saßt du auf der quietschenden Schaukel, dieser einen blauen, der mit der abblätternden Farbe, und hast ihnen Gedichte vorgelesen. Statt zu schlafen. Gutenachtgedichte vielleicht.
Mit deiner ruhigen kratzigen Stimme. Wie dein Bart hat die sich in meinen Ohren immer angefühlt.
Du hast ihnen ein Gedicht vorgetragen. Um Liebe ging es und darüber, dass du sie nie verstanden hast.
Und als du beim letzten Fragezeichen aufgeblickt hast, so wie man es bei einer Lesung tut, so wie du es immer gemacht hast, da blinzelte dir eines der Lichter zu.
Du vergaßt dann alles, einfach alles. Außer vielleicht dem letzten Fragezeichen.
Dann warst du weg.

Und jetzt muss ich schreiben.
Damit die Glühwürmchen wieder kommen. So wie früher.
Damit sie wieder zuhören.
Und vielleicht bringen sie dich ja mit.
Ach Mio, mein Mio, die Glühwürmchen verschwinden. Trotzdem.

Heimgewitter

Gedicht

Es gewittert,
Dunkle Wolken ziehen durch das Zimmer,
Regentropfen weichen den gelben Teppich auf,
Der Fußboden wellt sich
Und unter dem Bücherregal
Schwimmt die Badeente.

Als würde das Zimmer weinen;
Was hast du bloß getan?

Diesmal all by myself. Von keinem Gedichtkalender geklaut. Ehrenwort.

Frühstücksalkoholgedicht

Gedicht, Meldung

Hier ein Gedicht, das mich heute morgen zum Lachen gebracht hat. Diesmal ausnahmsweise nicht selbst verfasst…

 

MIT ALKOHOL ALLEINE
Ist es noch nicht getan:
Mich blicken starr die Steine
Und ich die Steine an.

Hab ich gelernt zu leben?
Ich glaub, ich lern es nie.
Die Zeit, die mir gegeben,
Steht still. Ich hasse sie.

Heinz Czechowski

 

Ich gebe zu; Eigentlich ist das Gedicht zynisch und hat daher einen traurigen Sinn. Die erste Strophe und der letzte Satz geben dem Ganzen aber einen derart komischen Beigeschmack, dass es ein wunderbares Gedicht für den Tagesanfang beim Frühstück mit heißem Tee ist.
Ich liebe Gedichtkalender.

Das Larvenkind

Gedicht

Hier noch zwei etwas ältere Gedichte, inspiriert von meinem kreativen Opa und meiner verrückten Cousine.

Der Augeblick

Nachts, stolpernd auf der Suche nach dem Kühlschrank, siehst du es leuchten.
Das Larvenkind schwebt in deinen Augenblick.
Schwebt und blinzelt dir zu. Und du blinzelst zurück.

Du siehst es die Fragefühler schwenken und fragst weshalb.
Es entfaltet nur leise die leichten Flügel seiner Gedanken,
blinzelt und entschwindet in den nächsten Augenblick.

Und du stehst da,
vor dem eisigen Kühlschrank,
und fragst bibbernd
noch immer nach dem
„Weshalb?“.

Das Larvenkind

Nachts, im Traum, kriecht es dir in die Nase.
Liest ein Buch oder zwei,
Schlürft seinen Kaffee.

Und schwenkt es seine Gedankenflügel,
so träumst du
von Regen und Schafsfellen,
in die du deine Hände versenkst.

Putzt es die Fragefühler,
rennst du durch grüne Weiden
und fragst dich nach dem Sinn
einer Wiese ohne Kühe.

Und glaubst du den Sommerwind zu spüren,
so lacht es glockenhell
in deiner Nase.

Dort, im Dunkeln, sitzt es und liest.
Das kleine Larvenkind.